Mit der Einführung der umstrittenen Billigtarife sind viele Personen in die private Krankenversicherung (PKV) gewechselt, die sich unter normalen Umständen keine PKV hätten leisten können. Durch Fehlkalkulationen und das Ausbleiben der erhofften Wechsel in höherwertige Tarife müssen die privaten Unternehmen mitunter auch in diesen Tarifen die Prämien erhöhen. Die Folge: Die Zahl der Privatversicherten, die mindestens drei Monate ihre Beiträge nicht gezahlt haben, steigt kontinuierlich an. Zudem können die privaten Unternehmen die säumigen Zahler nicht mehr aus der Krankenversicherung entlassen, wie es noch vor der Einführung der Krankenversicherungspflicht 2009 der Fall war. Nun wollen die Spitzen der Branche einen Spezialtarif für Nichtzahler einführen, der nur noch in medizinischen Notfällen greift.

Nahezu Verdopplung der Einnahmeverluste in der PKV

Die Einnahmeverluste durch Nichtzahler in der PKV haben sich seit Mitte 2010 fast verdoppelt. Aufsummiert hätten diese Privatpatienten bis Ende Juni dieses Jahres einen Verlust von 500 Millionen Euro verursacht, erklärte ein Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) gegenüber dem “Handelsblatt”. Der Branchenführer Debeka geht aktuell bereits von 554 Millionen Euro Schaden durch die ausbleibenden Zahlungen aus.

PKV verhandelt über neuen Spezialtarif für Nichtzahler

An einer Lösung des Problems arbeiten derzeit die privaten Versicherungsunternehmen. Ein neuer Spezialtarif mit Mini-Beiträgen soll nach Informationen der “Ärzte Zeitung” denjenigen angeboten werden, deren Zahlungen seit längerer Zeit ausgeblieben sind. Im Gegenzug dazu wird seitens der Versicherer aber nur noch eine Notfallversorgung bereitgestellt. Ob ein solcher Tarif als “Drittklassiger Versicherungsschutz” zugelassen wird, muss nun das Bundesgesundheitsministerium (BMG) entscheiden. “Wir sind auf dem Weg der Einigung”, versicherte Reinhold Schulte, Verbandsvorsitzender des PKV-Verbandes. Eine offizielle Stellungnahme des Ministeriums liegt allerdings noch nicht vor.

Scheitern der Billigtarife

Die negativen Erfahrungen mit den Billigtarifen haben bereits mehrere Versicherungsunternehmen dazu veranlasst, das Geschäft mit den “Einsteigertarifen” aufzugeben. So haben sich beispielsweise die Central Krankenversicherung und die DKV aus dem Markt der Billigtarife verabschiedet. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass gerade die Kunden in diesen Einsteigertarifen nicht mehr in der Lage sind ihre Beiträge zu bezahlen.