Wie wir schon in einem Artikel am 03.03.2010 berichtet haben, möchten die privaten Krankenversicherungen die Möglichkeit haben durch Verträge mit verscheidenden Ärztegruppen auf die Qualität und die Kosten der erforderlichen Behandlung Einfluss zu nehmen. Erwartungsgemäß sind solche Vereinbarungen seitens der Leistungserbringer unerwünscht.

Nun fordert der PKV Verband erneut die Regierung auf, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, in dem die privaten Krankenversicherungen mit den Leistungserbringern über die Qualität und die Kosten verhandeln können. Dieses Gesetz soll ein generelles Verhandlungsmandat beinhalten. Grund für den erneuten Vorstoß des PKV Verbandes ist das Scheitern eines Pilotprojekts mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Ziel dieses Projektes war, bei der Versorgung von Privatpatienten die Qualität und den Service der Leistungserbringer zu fördern. Dies sollte durch ein Gütesiegel erreicht werden, welches niedergelassene Ärzte erhalten sollten. Die Verpflichtung, bestimmte Standards einzuhalten, sollte die Voraussetzung sein um das Gütesiegel zu erhalten.

Nach dem Abschluss dieser Verhandlungen, welche durch den KVB Chef Axel Munte geführt wurde, bereitete die Vertreterversammlung KVB dem Ganzen ein jähes Ende. Herr Munte musste die Vereinbarung auf Grund der Forderung der KVB Vertreterversammlung rückwirkend auflösen. Diese Entscheidung löste beim PKV Verband Unverständnis aus, Volker Leienbach als Direktor des PKV-Verbands sagte zu dieser Entscheidung: „Der Widerstand ärztlicher Standesvertreter gegen diesen Vertrag ist nur so zu erklären, dass sie damit Interessen verfolgen, die ganz offensichtlich mit Qualität nichts zu tun haben“, es ging doch nur um eine besser Qualität zu Gunsten der Patienten. Weiter forderte er, dass sich „innovative Ärzteverbände“, auf solche Vereinbarungen einlassen sollten.

Wegen dieser Blockadehaltung in Bayern sieht Leienbach den Gesetzgeber in der Pflicht der PKV Branche ein eigenes Verhandlungsmandat durch eine gesetzliche Regelung einzuräumen: „Sie muss einen klaren rechtlichen Rahmen für ein generelles Verhandlungsmandat der privaten Krankenversicherung schaffen, damit in fairer Partnerschaft mit Ärzten und anderen Leistungserbringern Verträge über Qualität, Mengen und Preise von Gesundheitsleistungen möglich werden“, fordert Leienbach.

Möglicherweise entpuppt sich die Entscheidung der Vertreterversammlung des KVB in Bayern als Pyrrhussieg. Wenn dieser Vorgang der Auslöser für die Politik wäre der Forderung des PKV Verbandes Rechnung zu tragen. Ein solches Verhandlungsmandat könnte erhebliche Auswirkungen auf die Tarifgestaltung in der PKV haben, weil durch entsprechende Vereinbarungen zwischen den Leistungserbringern und der PKV eine Leistungssteuerung und damit eine noch feinere Tarifgestaltung möglich würde. Dies macht es natürlich für uns Versicherungsmakler nicht einfacher. Denn der Verkauf der PKV wird leider allzu oft über den Preis verhandelt, ohne sich groß zu überlegen welche Leistungen tatsächlich eingekauft werden. Da nehme ich gerne die Automobilbranche als Beispie. Es gibt (zumindest habe ich mir das sagen lassen) inzwischen ein neues Auto für 5000 € und wie meine geneigten Leser sicher wissen, gibt es nach oben fast keine Grenzen. Es wird niemand bestreiten, dass ein 5000 € Auto auch fährt und damit den Zweck, den Fahrer von A nach B zu bringen, erfüllt. Die Frage ist, was passiert dem Fahrer, wenn dieser in einen schweren Unfall verwickelt ist.

Die gleiche Frage stellt sich in der privaten Krankenversicherung: Wie werde ich behandelt, wenn ich ernsthaft krank werde, darüber muss man sich zwingend Gedanken machen, wenn man in die PKV wechseln möchte