Private Krankenversicherung: Höhere Kosten unvermeidbar
Private Krankenversicherung: Höhere Kosten unvermeidbar

Theoretisch ist die private Krankenversicherung besser gegen Kostensteigerungen und die Herausforderungen der demografischen Entwicklung gerüstet. Doch grau ist bekanntlich alle Theorie, und so kommt denn auch die IGES-Studie zu einem nicht ganz so positiven Ergebnis. Das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer ist auch anfällig für steigende Gesundheitskosten. Zu wenig Wettbewerb und eminent steigende Ausgaben lassen die Autoren der Studie daran zweifeln, dass die privat Versicherten gegen die Unbilden der finanziellen Auswüchse besser geschützt sind. Vor allem die Versicherten in fortgeschrittenem Alter müssen nach diesen Ergebnissen trotz der gebildeten Altersrückstellungen mit „sprunghaften“ Beitragserhöhungen rechnen. Eine derartige Entwicklung hätte natürlich Auswirkungen auf Einkommen und Lebensqualität der älteren Versicherten.

Unveröffentlichte Studie

Doch offensichtlich ist das letzte Wort noch  nicht gesprochen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat die Veröffentlichung der Studie erst einmal gestoppt. Er will die Ergebnisse überarbeitet und genauer justiert wissen. Man kann eine solche Handlung verstehen, denn die Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag die Weichen eindeutig für die private Krankenversicherung gestellt, das duale System der Krankenversicherungen festgeschrieben und die PKV als „konstitutives Element in einem freiheitlichen Gesundheitswesen“ bezeichnet. Verständlich, dass der Minister zuerst einmal eine Denkpause einlegen möchte.

Keine Locktarife

Der PKV-Verband schweigt noch zu den IGES-Ergebnissen. PKV-Sprecher Jens Wegner weist darauf hin, dass man zu einer nicht veröffentlichten Studie keine Meinung äußern wolle. Auch seien viele Vorwürfe nicht gerade neu, und auch ständige Wiederholungen würden den Wahrheitsgehalt nicht erhöhen. So gebe es keine speziellen Tarife für junge Menschen, die so in die PKV gelockt werden sollten. Doch die Studie erhebt dahingehende Vorwürfe. Es gebe Hinweise auf eine Risikoteilung: Günstige Tarife für die Jüngeren, und Ältere hätten durch erneute Gesundheitsprüfungen kaum Chancen auf solche Möglichkeiten. Zwangsläufig führe das zu einer „Vergreisung“ und Verteuerung solcher Tarife.

Kursänderung

Die Ergebnisse der Studie weisen keine guten Noten für die Lösung der demografischen Probleme aus. Doch der PKV-Verband widerspricht dieser Darstellung. „Mit 134 Milliarden Euro Altersrückstellungen tut die PKV auf jeden Fall mehr, um die steigenden Gesundheitskosten in einer alternden Gesellschaft aufzufangen als die gesetzlichen Kassen mit ihrer Umlagefinanzierung“, macht Jens Wegner deutlich. Zwar hatten die Rückstellungen lange Zeit kein ausreichendes Maß, doch seit 2000 habe ein Umdenken stattgefunden. Damit würden zukünftig die Beiträge im Alter nicht mehr so steil ansteigen.

Ausgabenbegrenzung

Gemeinsam mit der IGES-Studie verlangt der PKV-Verband schon seit geraumer Zeit bessere Möglichkeiten zur Ausgabensteuerung. Die Studie belegt, dass die Ausgaben für jeden Versicherten der PKV von 1997 bis 2008 um stattliche 49 Prozent angestiegen sind. Im gleichen Zeitraum stiegen die entsprechenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung nur um 31 Prozent. Dafür verantwortlich sind nach den Studienergebnissen die höheren Kosten bei Ärzten und Krankenhäusern für Privatpatienten. Man rechnet dort prinzipiell höhere Leistungsmengen ab. Seit 1995 sind die Kosten für Medikamente in der PKV um 127 Prozent gewachsen, in der gesetzlichen Krankenversicherung nur um 60 Prozent. Die Unternehmen der PKV müssten sich zusammenschließen dürfen, um so besserer Bedingungen aushandeln zu können. Auch Öffnungsklauseln bei der Gebührenordnung für Ärzte wurden den Kostenanstieg stoppen können.

Lösung Wettbewerb

Ein baldiges Ende wird kaum in Sicht sein. Wir alle werden für die Gesundheit langfristig tiefer in die Tasche greifen müssen. Vielleicht sollten privat Versicherte ernsthaft überlegen, ob sie vielleicht in eine andere Krankenversicherung wechseln und so den Betragssteigerungen ausweichen können. Doch wesentlich billiger wird es für niemanden werden. Doch allein die Schuld bei den Unternehmen der PKV zu suchen, wird den Tatsachen nicht gerecht. Kosten für Ärzte und Krankenhäuser, die teuren Arzneimittel lassen den Verantwortlichen oft keine Wahl. Die Wissenschaftler des IGES-Institutes sehen eine wichtige Möglichkeit in der individuellen Ausrichtung der Rückstellungen. Wenn diese Gelder für jeden Versicherten kalkuliert würden, könnten eben diese Rückstellungen jederzeit bei einem Wechsel mitgenommen werden. So würde der  geforderte Wettbewerb zugunsten der Versicherten verstärkt und angeregt werden.