Private Krankenversicherung muss LASIK-Behandlung zahlen
Private Krankenversicherung muss LASIK-Behandlung zahlen

Das musste ein Physiotherapeut erfahren, der als Selbständiger arbeitete und privat krankenversichert war. Er war gezwungen, sich mit seiner starken Weitsichtigkeit auseinanderzusetzen. Zwar trug er eine Brille, die ihn jedoch beim Ausüben seiner beruflichen Tätigkeit störte und sogar zu Verletzungen führen konnte. Zudem verursachte die Brille immer wieder ein Nasenekzem, sodass der Mann schließlich Kontaktlinsen ausprobierte. Doch diese Sehhilfen lösten bei ihm Kopfschmerzen und Schwindel aus. Der Physiotherapeut unterzog sich schließlich einer LASIK-Operation, um seine Probleme zu beheben. Die Kosten für die OP in Höhe von 4.600 Euro verlangte er von seiner privaten Krankenversicherung zurück. Doch das PKV-Unternehmen verweigerte die Übernahme der Kosten. Die Begründung: Die sehr kostenintensive Behandlung sei medizinisch auf keinen Fall notwendig gewesen.

Amtsgericht weist die Klage ab   

Der Versicherte akzeptierte die Ablehnung der Kostenübernahme nicht und zog vor Gericht. Dort argumentierte der Versicherer, dass die Fehlsichtigkeit des Klägers durchaus auch mit anderen und kostengünstigeren Mitteln hätte behandelt werden können. Eine Brille oder Kontaktlinsen hielt der Versicherer für das Mittel der Wahl.  Die Probleme des Klägers mit diesen Sehhilfen seien übertrieben und sicherlich nur vorgeschoben. Das Amtsgericht Strausberg verurteilte die Versicherung zur Zahlung von 500 Euro und wies die Klage ansonsten ab. (Aktenzeichen 10 C 175/10). In der Berufung sah das Landgericht in Frankfurt/Oder den Fall völlig anders und folgte den Argumenten des Klägers.

LASIK-OP war medizinisch notwendig

Zunächst machten die Richter deutlich, dass die LASIK-Operation erfolgreich war. Der Kläger muss zwar noch eine Brille tragen, aber nur für den Nahbereich und zum Lesen. Das ständige Tragen einer Brille gehört für ihn der Vergangenheit an. Das Argument der Versicherung, die LASIK-OP sei nicht medizinisch notwendig gewesen, erkannte die Richter nicht an. Die medizinische Notwendigkeit sei dann gegeben, wenn zum Zeitpunkt der Behandlung nach den Ergebnissen der individuellen Untersuchungen und Diagnosen die Maßnahme als medizinisch vertretbar bezeichnet werden kann. Es kommt vielmehr darauf an, ob eine geplante Behandlung tatsächlich als wirksam anerkannt ist. Im vorliegenden Fall war es klar, dass die operative Maßnahme seine Krankheit heilen oder zumindest lindern konnte. Das Gericht machte deutlich: "Denn ein Grundsatz, dass nur eine kostengünstigere Behandlung als notwendig anzusehen ist, existiert versicherungsrechtlich nicht."

Kosten sind für medizinische Notwendigkeit nicht relevant

In den Versicherungsbedingungen werden die Leistungen der PKV festgelegt. Eine private Krankenversicherung zahlt nur medizinisch notwendige Behandlungen. Diese Aussage bezieht sich aber auf die medizinische und nicht auf die ökonomische Notwendigkeit. Deshalb sind die Richter der Ansicht, dass die Kosten bei der Bewertung einer medizinischen Notwendigkeit völlig außer Acht gelassen werden müssen. Das Urteil ist rechtskräftig, denn die Revision wurde nicht zugelassen. (Aktenzeichen 6a S 198/11

Unterschiedliche Bewertungen   

Die Beurteilung einer LASIK-Operation und die Kostenübernahme durch die PKV ist bereits öfter Gegenstand von gerichtlichen Verfahren gewesen. In der Tendenz urteilen die Gerichte für die Versicherten der PKV. Zunächst beurteilten die Richter eine LASIK-OP eher wie eine Schönheitsoperation (Amtsgericht München, Aktenzeichen 112 C 25016/08). Doch aktuelle Urteile sprechen sich für die Anerkennung der LASIK-Methode aus und verpflichten die Versicherungen zur Übernahme der entsprechenden Kosten. (Amtsgericht Stuttgart, Aktenzeichen 5 C 5406/09)    

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