Private Krankenversicherung wehrt sich gegen AOK-Studie
Private Krankenversicherung wehrt sich gegen AOK-Studie

Mit der Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hatte die AOK belegen wollen, dass die PKV für viele Rentner zu teuer ist. Ein hoher Prozentsatz der Befragten hatte nach den Ergebnissen der Umfrage den Selbstbehalt erhöht oder das Leistungsniveau gesenkt. Auch die Kundenzufriedenheit in der PKV soll nach diesen Zahlen nicht besonders groß sein. Rund 76 Prozent der PKV-Versicherten sollen sich zufrieden über ihre private Krankenversicherung geäußert haben. Der PKV-Verband hat in einer generellen Kritik die Ergebnisse von diversen Umfragen, die renommierte Demoskopie-Institute immer wieder durchgeführt haben, diesen Wert infrage gestellt. Seit langer Zeit seien die Zufriedenheitswerte in der PKV immer höher als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gewesen, so Stefan Reker, der Pressesprecher des PKV-Verbandes.

Debeka hält AOK-Studie für unseriös

Die Debeka ist das größte deutsche Unternehmen der PKV. Debeka-Chef Uwe Laue geht mit seiner Kritik an der AOK-Studie weit mehr ins Detail. Der Vorsitzende der Debeka zitiert den Kundenmonitor Deutschland, der einen Wert von fast 94 Prozent für die Zufriedenheit mit der PKV festgestellt hat. Für ihn ist die Studie der AOK "völlig haltlos". Er geht davon aus, dass man die Fragen so formuliert habe, dass die gewünschten Ergebnisse auch tatsächlich erzielt werden mussten. Auch bezweifelt Uwe Laue, dass die Umfrage der AOK tatsächlich als repräsentativ zu bezeichnen ist.

Zahlen sind wesentlich günstiger   

Im Verlauf der Studie wurden lediglich 79 Rentner befragt. Der Debeka-Chef legt nun eigene Zahlen vor. Bei seinem Unternehmen sind 16.000 Rentner krankenversichert. Im gleichen Zeitraum, den die WIdO-Studie beleuchtete, haben lediglich nur 0,3 Prozent der Rentner bei der Debeka ihre Selbstbeteiligung im PKV-Vertrag erhöht. Einen Tarifwechsel haben nach diesen Daten nur 1,5 Prozent der Versicherten im Rentenalter vollzogen. Weiter haben die Mitarbeiter der Debeka die Verträge von rund 300.000 Beamten und deren Verläufe untersucht. Dabei habe sich herausgestellt, dass hier weit weniger von Tarifwechseln die Rede war. Uwe Laue wirft der AOK vor, dass sie mit dieser Studie versuche, die PKV in ein schlechtes Licht zu rücken.

GKV versucht zu punkten  

Im Wettbewerb mit der PKV schieße die AOK offensichtlich über das Ziel hinaus. Man habe schon seit langem versucht, mit Behauptungen verschiedenster Art die PKV in Misskredit zu bringen. So habe man zu Anfang des Jahres propagiert, dass es sehr viele privat Krankenversicherte gebe, die von der PKV in die GKV wechseln wollen. Diese Angaben hatten ihre Grundlage aber nur in telefonischen Anfragen und den subjektiven Aussagen der Mitarbeiter. Auch das Vorurteil, dass die PKV nur eine Versicherung für Reiche und Besserverdiener sei, konnte inzwischen ausgeräumt werden. "Damit ist der AOK offensichtlich ein wesentliches Argument im Wettbewerb gegen die PKV weggefallen, sodass man nun auf andere Weise die private Krankenversicherung diskreditieren will", sagt Laue.

Harte Gangart im Wettbewerb zwischen GKV und PKV

Es ist wohl kaum zu klären, welche Zahlen der Realität entsprechen. Jede der beiden Seiten liefert gute Gründe für ihre jeweilige Sichtweise. Auf jeden Fall kratzt die WIdO-Studie am Image der PKV. Wie so oft in der letzten Zeit muss sich die Branche gegen Vorwürfe, gegen Aussagen und Zahlen wehren, die das Bild der PKV in der Öffentlichkeit negativ besetzen können. Die Art der Auseinandersetzung zwischen den Systemen des Gesundheitswesens könnte in Zukunft noch härter und rauer werden.