Bereits einen Monat nachdem der erste Arzneimittelrabatt gemäß des "Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes” (kurz: AMNOG) ausgehandelt wurde, hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen die Auszahlung des Erstattungsbetrags verschoben. Die Umsetzung des für das Medikament "AstraZenecas Gerinnungshemmer Brilique™ (Ticagrelor)" ausgehandelten Rabatts scheitert daran, dass von der Regierung nicht festgelegt wurde, wie die Mehrwertsteuer für das Arzneimittel zu berechnen ist. Es ist schlicht ungeklärt, ob sich der Rabatt auf Grundlage des Nettopreises oder des Bruttopreises des Medikaments ergibt. So lange dieser wichtige Sachverhalt nicht geklärt ist, kann der entsprechende Preis nicht in die Computersysteme der Apotheken integriert werden. Hinzu komme laut Branchenexperten, dass es hinsichtlich der technischen Umsetzung der Rabatte derzeit noch zu einigen Problemen kommt.

Privatversicherte im Nachteil

Laut dem Spitzenverband der GKV verändere sich für Großhändler, Apotheken und Versicherungen zunächst nichts. Da der Erstattungsbetrag rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres vereinbart ist, dauere die Rückerstattung durch die Apothekenrechenzentren nur länger. Problematisch wird es jedoch für Privatpatienten, die ihre Medikamente zunächst selbst bezahlen. Sie müssen weiterhin den vollen Listenpreis zahlen und erhalten keine Rabatte. Ob es für die Betroffenen auch eine Festlegung zur Rückvergütung von ausgehandelten Vergünstigungen geben könnte, ist nicht sicher.

Arzneimittelspargesetz vorerst aufgeschoben

Laut Meinung von Brachenexperten könnte es noch Monate dauern, bis die Rabatte für neue Arzneimittel entsprechend in die Programme der Händler eingepflegt sind. Dafür müsse aber zunächst das Bundesgesundheitsministerium (BMG) über die Handhabung der Mehrwertsteuer entscheiden. Eine entsprechende Anfrage sei vom GKV-Spitzenverband bereits formuliert worden, so Experten.

Der Verband der gesetzlichen Krankenkassen sagte zudem gegenüber der "Ärzte-Zeitung", dass es für die technische Umsetzung der Erstattungsbeträge bereits Rahmenverträge gebe. Von der Regierung müssten jedoch unbedingt gewisse Vorabentscheidungen getroffen werden.

Apotheker büßen Gewinne ein

Derzeit herrscht auf dem Krankenversicherungsmarkt auch das Gerücht, dass der GKV-Spitzenverband bei der Regierung erfragt habe, ob sich die Handelsmargen auf den Listenpreis oder auf den Erstattungspreis beziehen sollen. Der Großhandel darf momentan 3,15 Prozent pro Arzneipackung aufschlagen. Bei den Apotheken sind dies lediglich drei Prozent. Für die Apotheker würden sich dadurch die Verluste potenzieren, da deren Handlungsspanne auf Grundlage des Nettopreises des Herstellers zuzüglich des Großhandelszuschlages berechnet wird.