Reform: Private Krankenversicherung ab 2011 attraktiver
Reform: Private Krankenversicherung ab 2011 attraktiver

Das Defizit der Krankenkassen und die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen schlagen ab 2011 voll zu. Es wird erwartet, dass die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben bis zu elf Milliarden Euro im nächsten Jahr beträgt. Um einen Systemkollaps zu verhindern, müssen Arbeitgeber, aber vor allem Arbeitnehmer tief in die Tasche greifen. Für freiwillig gesetzlich Versicherte ist der Wechsel in eine private Krankenversicherung (PKV) dann wieder so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Selbst Angestellte können sich ab 2011 voraussichtlich unter vereinfachten Bedingungen von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreien lassen.

Beitragserhöhung der Krankenkassen

In der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Versicherten künftig direkt und vermehrt zur Kasse gebeten, wenn die Krankenkasse mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommt. Dazu hat die Regierung beschlossen, die Deckelung des Zusatzbeitrags aufzuheben. Der Arbeitgeberbeitrag soll bei 7,3 Prozent eingefroren werden. Künftige Beitragserhöhungen werden allen den Versicherten aufgebürdet. Damit fällt die paritätische Beitragsfinanzierung – ein wesentlicher Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung – weg.

Vorteile der privaten Krankenversicherung

Freiwillig versicherte Angestellte mit einem Bruttoverdienst über der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 4.162,50 monatlich müssen durch die Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes und der unbegrenzten Zusatzbeiträge mit Mehrkosten von bis zu 100 Euro und mehr im Monat rechnen. Die private Krankenversicherung für Angestellte wird daher aufgrund ihrer Vorteile wieder eine Alternative. Auch für freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige.

Mehr Leistungen für weniger Geld

In der PKV lassen sich die Beiträge sehr flexibel gestalten, ebenso ist der Leistungsumfang individuell vom Versicherten bestimmbar. Durch Hausarzt-Tarife oder Modelle mit Selbstbehalt lassen sich die Beiträge niedrig halten und gleichzeitig ein umfassender Leistungskatalog realisieren. Homöopathie, Chefarztbehandlung und kürzere Wartezeiten beim Arztbesuch sind einige der vielen Mehrleistungen der privaten Krankenversicherung gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen.

Zwar haben auch die privaten Krankenversicherungen mit steigenden Kosten im Gesundheitssystem zu kämpfen. Die Beitragserhöhungen liegen 2010 etwa bei 4,5 Prozent. Zum Vergleich: Steigt der Krankenkassenbeitrag wie geplant auf 15,5 Prozent an, macht allein das eine Beitragssteigerung von etwas über vier Prozent aus – ohne Berücksichtigung der Zusatzbeiträge.

Angestellte in der privaten Krankenversicherung

Ob ein Wechsel in die private Krankenversicherung möglich ist, hängt maßgeblich vom Berufsstatus ab. Während Beamte und Selbständige leicht in die PKV wechseln können, gilt für Angestellte eine Einkommensgrenze. Diese liegt bei 4.162,50 Euro monatlich. Arbeitnehmer in einem sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis können nur mit einem Einkommen über dieser Grenze wechseln. Allerdings müssen sie dieses Einkommen mindestens drei Jahre hintereinander vorweisen können.

Drei-Jahres-Regelung

Die Drei-Jahres-Regelung soll ab 2011 abgeschafft werden. So lauten zumindest die Pläne von CDU/CSU und FDP. Vorgesehen ist, dass Angestellte nur noch zwölf Monate hintereinander über der Versicherungspflichtgrenze liegen müssen, bevor sie in die private Krankenversicherung wechseln können. Berufseinsteiger können sich sogar sofort von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreien lassen.