Rösler will Kostenerstattung für Versicherte attraktiv machen
Rösler will Kostenerstattung für Versicherte attraktiv machen

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) funktioniert bisher nach dem Prinzip der Sachleistungen. Der Patient muss sich mit seiner Versichertenkarte als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ausweisen und erhält die entsprechenden Leistungen. Doch wenn es nach der Absicht des Gesundheitsministers geht, so soll die Kostenerstattung nun mehr genutzt werden. Das ist seit dem 1. Januar 2004 für gesetzlich Versichert möglich. Die Patienten zahlen die Rechnungen des Arztes oder der Klinik zunächst selbst und reichen sie dann bei ihrer Krankenkasse zur Erstattung ein. Das Prinzip der Vorleistungen haben bisher nur 0,2 Prozent der Versicherten in der GKV gewählt. Geht es nach dem Willen des Bundesgesundheitsministers, so soll die Kostenerstattung zukünftig attraktiver werden.

Kostenerstattung hat Nachteile

Die Pläne dafür werden im Moment erarbeitet. Das Modell soll ein Teil der Gesundheitsreform sein. Von einem solchen Modell verspricht sich Philipp Rösler mehr Transparenz für die Patienten. Auch die Krankenkassen sollen so mehr Freiräume nutzen können. Die aktuelle Ausprägung der Kostenerstattung ist vor allem nachteilig für die Versicherten. Die Rechnungen werden von den gesetzlichen Krankenklassen nicht ganz bezahlt. Es wird eine Verwaltungsgebühr fällig, die je nach Krankenkasse bis zu zehn Prozent der Rechnungssumme ausmachen kann.

Ausgestaltung soll besser werden  

Das soll sich ändern. Die Kostenerstattung soll weiter freiwillig gewählt werden können, doch die Anreize, diese Zahlungsart zu wählen, sollen erweitert und attraktiv gemacht werden. Es sind verschiedene Ansätze in der Diskussion. So könnte die Verwaltungsgebühr kleiner werden oder sogar völlig entfallen. Die Zusatzbeiträge könnten für Versicherte, die sich für die Kostenerstattung entscheiden, geringer werden. Auch ein fester Betrag als Selbstbehalt ist denkbar. All das soll das Prinzip der Kostenerstattung stärker als Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung in das Blickfeld der Versicherten rücken.

Krankenkassen gegen Kostenerstattung

Die Krankenkassen sehen die Röslerschen Pläne mit Skepsis. Finanzielle Vorteile seien nicht feststellbar. Vertreter der großen Krankenkassen sind der Meinung, dass die Kostenerstattung eher die Ausnahme bleiben wird. Bei einem sehr hohen bürokratischen Aufwand sei die Wirkung nicht vorhanden. Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, hat einen Vorschlag, wie die Abrechnungen weiter über die Krankenkassen abgewickelt werden können und die Transparenz dennoch erhöht werden könnte: Nach einem Arztbesuch soll der Patient die Leistungen des Arztes schriftlich bestätigen.

Hohe Skepsis gegen das neue Prinzip  

Gegner der Kostenerstattung finden sich auch bei den Ärzten und Verbraucherschützern. Viele Mediziner lehnen sie ab, weil sie die finanzschwachen Patienten sehr im Nachteil sehen. Auch Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband, plädiert eher für eine Patientenquittung. Es gebe genug Versicherte, die gar nicht wüssten, wie hoch die Kosten beispielsweise für einen Arztbesuch sind. Die Patientenquittung könnte das ändern. Die Kontrollfunktion einer solchen Quittung stehe dabei nicht einmal im Vordergrund, sondern eher die Schärfung des Kostenbewusstseins bei den Versicherten. Durch eine Kostenerstattung allein würde den Krankenkassen eher die Kontrolle der Qualität aus der Hand genommen.