Rösler will Vorkasse für die gesetzlichen Krankenkassen
Rösler will Vorkasse für die gesetzlichen Krankenkassen

Das Prinzip der Vorkasse war bisher im Grundsatz nur mit der privaten Krankenversicherung (PKV) verbunden. Die privat Versicherten erhalten eine Rechnung von ihrem Arzt oder dem Krankenhaus, die sie dann begleichen. Von ihrer Versicherung erhalten sie die ausgelegten Beträge zurück. Philipp Rösler will die Finanzierung der GKV stärker an den privaten Krankenversicherern ausrichten. Es gibt bereits Tarife mit Kostenerstattung. Werden solche Tarife gewählt, dann muss der Versicherte mindestes drei Jahre in einem solchen Tarif bleiben. Auch gibt es finanzielle Nachteile, denn die Krankenkassen erstatten oft nicht den gesamten Betrag, weil Verwaltungsgebühren anfallen. Man wolle diese Nachteile beseitigen, so Rösler. “Das war eine bewusste politische Entscheidung, die unter SPD-Ägide getroffen wurde, um Erstattungstarife möglichst unattraktiv zu  machen.”

Weg zur Kostenerstattung wird geebnet

Die Pläne des Gesundheitsministers sind bereits recht konkret: Die Frist von drei Jahren, die ein GKV-Versicherter in dem einmal gewählten Tarif bleiben muss, soll abgeschafft werden. Künftig soll der Wechsel zwischen den Tarifen soll so flexibel wie möglich gestaltet werden. Zudem sollen die gesetzlichen Krankenkassen den gesamten Betrag ohne jegliche Abzüge erstatten. Einen wie auch immer gearteten Zwang zur Wahl der Kostenerstattung soll es aber nicht geben. Das soll die freiwillige Entscheidung der Versicherten sein.

Vorkasse ist nicht sozial

Diese Änderungen sollen möglichst noch in die Gesundheitsreform Eingang finden. Es ist auch ein Änderungsantrag der Koalition möglich, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums deutlich machte. Die gesetzlichen Krankenkassen wehren sich gegen diese Entwicklung. “Vorkasse heißt, dass den Ärzten der direkte Griff in die Portemonnaies ihrer Patienten ermöglicht wird,” so GKV-Spitzenverbands-Sprecher Florian Lanz. Er bezeichnete das Sachleistungsprinzip als “Eckpfeiler” der sozialen Krankenversicherung. “Wenn kranke Menschen zum Arzt gehen, dann sollen sie sich nicht erst fragen müssen, ob ihr Geld reicht, um in Vorkasse gehen zu können.”

Liberalisierung der Krankenversicherung

Doch Philipp Rösler hält an seinen Plänen fest. Es ist für ihn wichtig, dass die private Krankenversicherung intensiver mit den gesetzlichen Krankenkassen zusammenarbeitet. Seine Vision: Die Wahl der Krankenversicherung soll in die Hand der Versicherten gelegt werden. Die Auswahl der Bedingungen und der rechtlichen Versicherungsform liegt in der persönlichen Entscheidung. Der Versicherte wisse selbst am besten, was für ihn richtig ist, sagt Philipp Rösler. Erklärtes Ziel ist die Umsetzung der reinen FDP-Lehre. Die heutige Versicherungspflicht soll abgeschafft werden. Jeder Mensch wird dann verpflichtet, sich mit einem grundsätzlichen Schutz gegen Krankheit zu versichern, ganz gleich bei welchem Versicherungsunternehmen.

Krankenkassen kritisieren Begünstigung der PKV

Die gesetzlichen Krankenkassen können sich trotzdem nicht mit den Plänen anfreunden. Sie werfen dem Gesundheitsminister vor, er würde die private Krankenversicherung unverhältnismäßig bevorzugen. Schnellerer Wechsel von der GKV in die PKV, Teilhabe an den Preisverhandlungen mit den Pharmaherstellern und die Einschränkung der Zusatzversicherungen bei den gesetzlichen Krankenkassen – das alles bringt allein Vorteile für die PKV von Vorteil. “Das klingt alles sehr nach einem staatlichen Förderprogramm für die private Krankenversicherung als Nischenanbieter.”