Schnellerer und wirksamerer Grippeschutz entwickelt
Schnellerer und wirksamerer Grippeschutz entwickelt

Drei bis fünf Millionen Menschen erkranken laut Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit jährlich an der saisonalen Grippe. 250.000 bis 500.000 sterben daran. Beides könnte sich bald ändern. Denn amerikanische Forscher haben eine vielversprechende Alternative zur Grippeimpfung entwickelt. Ein natürlicher Botenstoff, der Wachstumsfaktor GM-CSF, kann den möglicherweise tödlichen Verlauf einer schweren Infektion mit Influenza-Viren verhindern. Zumindest bei Mäusen funktionierte das bereits. Die Wissenschaftler schreiben im "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine", dass eine solche Therapie im Gegensatz zu einer Impfung sehr schnell und wahrscheinlich gegen alle Typen von Grippeviren wirksam wäre. Auch bei bereits erkrankten Patienten könnte der Krankheitsverlauf durch Inhalation des Mittels noch abgemildert werden.

Jährliche Impfung bisher einziger Grippeschutz

Die jährliche Impfung, die das adaptive Immunsystem aktiviert und so die speziellen Erreger mit Antikörpern und Immunzellen bekämpft, ist bisher die einzige Möglichkeit, sich vor einer Grippeinfektion zu schützen. Doch muss die Impfung mindestens zwei Wochen vor Viruskontakt erfolgen, ansonsten bleibt sie wirkungslos.

Botenstoff regt Immunzellen-Produktion an

Die neue Methode basiert darauf, dass das angeborene Immunsystem in der Lage ist, viel schneller und unabhängig von der Art des Erregers Abwehrmaßnahmen in Gang zu setzen. Diese angeborene Immunabwehr wollten die amerikanischen Wissenschaftler zur Mobilisierung gegen die Grippeviren in der Lunge nutzen. Sie nutzten genetisch manipulierte Mäuse, deren Lungengewebe den natürlichen Botenstoff GM-CSF verstärkt produziert. Dadurch entwickelten sich im Atmungsorgan der Tiere verstärkt Fresszellen, die in der Lage sind, Viren unschädlich zu machen. Anschließend infizierten sie die Nager mit einer hohen Dosis von Grippeviren. Alle genetisch veränderten Mäuse überlebten, während die Mäuse der nicht manipulierten Kontrollgruppe an der Infektion starben. Ein hoher Spiegel an GM-CSF in der Lunge ist nach Aussagen der Forscher ausreichend, um einen vollständigen Infektionsschutz zu bewirken.

Drei verschiedene Grippe-Viren eingesetzt

Die Tiere überlebten ebenfalls, als der Wirkstoff normalen Mäusen über die Nase verabreicht wurde. Auch hier wurden anschließend genügend Fresszellen gebildet, die die Grippeviren erfolgreich abwehrten. Die Forscher haben für ihre Versuche drei verschiedene Typen von Grippeviren eingesetzt, darunter auch das Influenza-Virus A H1N1, den Erreger der sogenannten Schweinegrippe.

Klinische Studien schon bald möglich

Jetzt muss noch untersucht werden, wie wirksam das Mittel für bereits infizierte Mäuse ist. Erste Experimente ergaben, dass die nachträgliche GM-CSF-Behandlung die Sterberate von 100 auf 70 Prozent verringert. Weitere Studien sollen zeigen, wie groß das Zeitfenster für eine Therapie nach der Infektion ist und ob eine Injektion oder eine Inhalation wirksamer ist. Klinische Studien zum Grippeschutz könnten schon bald beginnen. GM-CSF-Präparate werden bereits als Injektion zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt, zum Beispiel bei Asthma. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es noch Jahre dauern wird, bis diese Form der Vorbeugung oder Therapie allgemein verfügbar sein wird.

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