Schweinegrippe: WHO stellt sich externer Prüfung
Schweinegrippe: WHO stellt sich externer Prüfung

Im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie sind gegen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer wieder Vorwürfe der Verzahnung mit der Pharmaindustrie laut geworden. Daneben gab es des öfteren Kritik am Pandemiemanagement der WHO. Nun will sich die Organisation einer externen Prüfung unterziehen, um die Vorwürfe zu prüfen und eventuelle Lehren aus den Ergebnissen zu ziehen. Eine Sprecherin bezeichnete dies als Chance zur Diskussion. Gleichzeitig blieb der Beginn der Untersuchung offen. Vor dem Ende der Schweinegrippe-Pandemie werde es jedoch eine solche Prüfung nicht geben.

WHO-Umgang mit der Schweinegrippe

Fadela Chaïb, Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation in Genf, wies darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden. Der Beginn der Untersuchung sei aber nicht vor dem Ende der Pandemie geplant. Demnach könnte es einige Monate aber auch wenige Jahre dauern, bis die WHO ihren Umgang mit der Schweinegrippe unter die Lupe nehmen lässt.

Der am schwersten wiegende Vorwurf ist die zu starke Verzahnung der WHO mit der Industrie. Kritiker behaupten, die Ausrufung der höchsten Pandemiestufe sei auf Druck der Hersteller von Impfstoffen geschehen. Mit der höchsten Warnstufe traten die nationalen Pandemiepläne in Kraft, so auch in Deutschland, in deren Folge Schweinegrippe-Impfstoff geordert wurden.

Verzahnung mit der Industrie

Bereits Anfang Dezember hatte die WHO erklärt, aus guten Gründen stets mit Vertretern von Pharmafirmen zusammengearbeitet zu haben. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung sei weltweit eng verknüpft mit verfügbaren Impfstoffen, Diagnose- und Behandlungsmethoden sowie Medikamenten. Besonders im Zusammenhang mit der Schweinegrippe-Pandemie spielten die Hersteller daher eine wichtige Rolle bei der Erreichung der WHO-Ziele.

Laut WHO-Erklärung sei nicht auszuschließen, dass Entscheidungsträger der Organisation und beratende Experten in Interessenkonflikte durch die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen geraten können. Die WHO betont jedoch, dass es Sicherungsmechanismen gebe, die die Entscheidungsfindung innerhalb der Organisation von diesen Konflikten frei halte. Dazu müssten die Betroffenen eine Interessenkonflikterklärung abgeben, in der die bestehenden Konflikte benannt und entsprechende Maßnahmen zur Interessenwahrung der WHO definiert werden.

Europarat: „Gefälschte Pandemien“

Der Europarat hat zu dem Thema bereits eine Anhörung für den 26. Januar anberaumt. Daran werden neben WHO-Mitgliedern auch Vertreter der Pharmahersteller und Fachleute teilnehmen. Die Anhörung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gleichzeitig hat der Europarat eine Plenarsitzung unter dem Titel „Gesundheitsgefahr durch gefälschte Pandemien„ für Ende Januar angesetzt.