Sozialverbände bilden Front gegen Gesundheitsreform
Sozialverbände bilden Front gegen Gesundheitsreform

Laut des Sozialverbands VdK sollte sich die schwarz-gelbe Bundesregierung auf einen heißen Herbst gefasst machen. Roland Sing, Vizepräsident des VdK Deutschland und stellvertretender Vorsitzender des VdK Baden-Württemberg, verspricht im Rahmen des Gesundheitstages 2010 in Stuttgart die Weiterführung der Protestaktion „Stoppt den Sozialabbau“. Diese richtet sich unter anderem gegen die Pläne der Regierung, die zukünftigen Kostensteigerungen im Gesundheitssystem alleine über Zusatzbeiträge durch die Versicherten zu tragen. Der VdK stellt mit 1,5 Millionen Mitgliedern den größten Sozialverband der Bundesrepublik dar und vertritt die Interessen chronisch Kranker, Behinderter, Senioren und Patienten gegenüber der Politik. Das Einschalten dieses Verbandes in die Diskussion erhöht den Druck auf die Regierung erheblich.

Zusatzbeitrag belastet sozial Schwache

Nach Meinung des VdK werde durch die Gesundheitsreform die Kluft zwischen Arm und Reich noch weiter verstärkt, denn die finanzielle Belastung trifft vor allem Arbeitnehmer und Rentner und damit die unteren Einkommen. Sing geht von einem drastischen Anstieg der Zusatzbeiträge in den kommenden Jahren aus. Diese werden alleine durch den Versicherten getragen. Ebenso problematisch sieht der Vizepräsident des VdK den erleichterten Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV). Ab dem kommenden Jahr reicht die Überschreitung der Versicherungspflichtgrenze für ein Jahr zum Wechsel in die PKV aus. Dadurch verliert die GKV hauptsächlich junge, einkommensstarke Versicherte und damit Personen mit hohen Beitragszahlungen. Dieses Geld fehlt dann im System, was zu Lasten der Einkommensschwachen ginge.

Köpfe gegen Kopfpauschale

Mit ihrer Meinung schließt sich der VdK der Protestaktion des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an. Unter dem Namen „Köpfe gegen Kopfpauschale“ vereinigen sich wohltätige Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt, der VdK und der Sozialverband Deutschland (SoVD) mit Gewerkschaften wie dem DGB oder Ver.di und der politischen Opposition im Bundestag, bestehend aus SPD, Grünen und Linken. In dem Bündnis geht es darum, „Zusatzbeiträge als verkappte Kopfpauschale“ zu verhindern und „Soziale Gerechtigkeit in einem zukunftsorientierten Gesundheitswesen“ zu schaffen. Dem Aktionsbündnis stehen auch einige Prominente und andere Privatpersonen zur Seite.

Geld falsch eingesetzt

Laut Roland Sing besteht in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht das Problem, dass sich zu wenig Geld im System befindet, sondern dieses falsch eingesetzt wird. Dieser Meinung schließt sich auch Dr. Christopher Hermann, stellvertretender Vorsitzender der AOK Baden-Württemberg, an. "Wir geben in Deutschland sehr viel Geld für die Gesundheit aus, nur nicht immer sinnvoll.", heißt es von ihm. Es geht darum neue Strukturen in der Behandlung von Patienten einzuführen. "Eingespielte Verhaltensweisen müssen verändert werden, das ist ein langer Umlernprozess. Aber es gibt viele Ärzte, die die neuen Wege mitgehen", so Hermann. Dem stimmt auch Dr. Gisela Dahl, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg zu. Ärzte sollten offen für neue Arbeitsweisen sein, denn hier werde sich noch einiges ändern, heißt es von Dr. Dahl.