SPD-Kanzlerkandidat will sofort große Pflegereform einleiten
SPD-Kanzlerkandidat will sofort große Pflegereform einleiten

So äußerte sich Steinbrück am Mittwoch in der Sendung „Wahlarena“ der ARD. In den kommenden Jahren brauche man rund 130.000 neue Pflegekräfte. Die Bezahlung müsse hier unbedingt verbessert werden. Auch sei es ein Unding, dass in der Ausbildung für die Pflegerinnen und Pfleger noch Kosten entstehen. Ebenso müsse endlich der neue Begriff der Pflegebedürftigkeit definiert werden, um die Demenzkranken zu berücksichtigen. Das aber sei ohne Geld nicht zu machen, so Steinbrück. Er will den Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozent erhöhen. Das bringe zusätzliche Einnahmen von rund sechs Milliarden Euro jährlich. Damit könne man ebenfalls altersgerechte Wohnungen fördern, damit die Menschen möglichst lange in ihren Wohnungen bleiben können. Es sei Zeit für eine große Pflegereform, "damit der Pflegenotstand beseitigt wird".

Informationen zur Pflegeversicherung  

Pfleger aus dem Ausland sollen helfen

Bereits heute gibt es zu wenige Betreuer für Pflegebedürftige. Wenn die Entwicklung ungebremst weitergeht, so könnten bereits im Jahr 2030 ungefähr eine halbe Million Pflegekräfte fehlen. Hilfe soll aus dem Ausland kommen. Die Bundesregierung will in Zusammenarbeit mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gezielt Pflegekräfte aus neun Ländern anwerben. Die Kooperation wurde mit Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, mit den Philippinen, Tunesien und China vereinbart.

Zuwanderung soll problemloser werden

Am aktuellen GIZ-Programm zur Ausbildung nehmen rund 400 zukünftige Pflegekräfte teil. Sie lernen, wie man in den Heimen oder auch ambulant mit den Pflegebedürftigen umgeht, wie man sie im Alltag unterstützt und ihnen beispielsweise ihre Medikamente gibt. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) steht vollkommen hinter der Anwerbung der Pflegekräfte. Für ihn die Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland ein "wichtiger Baustein". Deutschland müsse auf diese gut ausgebildeten Zuwanderer zurückgreifen. Sie werden gebraucht, um den drohenden Pflegenotstand abzuwenden. Bahr will sich dafür einsetzen, dass die Zuwanderung für diesen Personenkreis erleichtert wird. Für die Teilnehmer ist das Programm auch von Vorteil, denn die meisten von ihnen haben in ihren Heimatländern keine Arbeit gefunden.

Öffnung des Arbeitsmarktes

Nach Angaben des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fehlen bereits heute hierzulande rund 30.000 Pflegekräfte. Um diese für die Pflege in Deutschland unerträgliche Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, hat die Bundesregierung im Februar dieses Jahres bereits den Beschluss gefasst, den deutschen Arbeitsmarkt für Fachkräfte außerhalb der Europäischen Union zu öffnen. So wurde zum Beispiel auch eine Vereinbarung mit Vietnam getroffen. Nach einem Sprachkurs werden rund 100 vietnamesische Pflegekräfte zwei Jahre lang in Deutschland ausgebildet.

Pflegenotstand muss abgewendet werden

Wenn die Pflegeschüler ihre Ausbildung abschließen, so können sie drei Jahre in Deutschland arbeiten. Dann könne sie entscheiden, ob sie in ihr Heimatland zurückkehren. Die Kräfte aus dem Ausland helfen den deutschen Senioren, profitieren aber selbst auch von dem Arrangement. Denn die Bezahlung ist für vietnamesische Verhältnisse relativ gut. Auch für Pflegekräfte aus den südlichen EU-Ländern ist die Arbeit in Deutschland eine Alternative, weil sie in den Krisenländern oft keine Arbeit finden. Doch allein mit diesen Kräften wird der Pflegenotstand sicherlich nicht abgewendet werden können. Die Politik wird sich so schnell wie möglich mit dem Problem befassen müssen.