Streit um Kostenübernahme für Homöopathie
Streit um Kostenübernahme für Homöopathie

Die Homöopathie ist eine Naturheilmethode. Grob gesagt werden die Wirkstoffe aus Pflanzen und Mineralien immer weiter verdünnt, so dass in einer homöopathischen Medizin oft der Wirkstoff gar nicht mehr nachzuweisen ist. Es ist der Geist der Wirkstoffe, das Gedächtnis für die Zusammensetzung der Stoffe, die eine heilende Wirkung hervorrufen sollen. Es gibt viele Studien und Untersuchungen, doch die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel ist bisher noch nie schlüssig nachgewiesen worden. Man ist sich in Wissenschaftskreisen einig: Homöopathische Arzneien, meistens als kleine Kügelchen verabreicht, können gar nicht wirken. Und doch gibt es viele Patienten, denen die Homöopathie geholfen hat. Eine immer größere Zahl von Menschen scheuen die Nebenwirkungen der chemischen Medikamente, und so ist die Homöopathie jenseits aller Wissenschaftlichkeit für viele eine gute Alternative.

Schnelle Koalition

Die Ereignisse waren durchaus bemerkenswert. Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, den gesetzlichen Krankenkassen die Bezahlung homöopathischer Behandlungen und Arzneimittel zu verbieten. Die Wirksamkeit sei nicht bewiesen, so Lauterbach, und angesichts der finanziellen Situation der Krankenkassen müsse alles und jedes auf den Prüfstand. Es dauerte nicht lange, da blies der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn in das gleiche Horn. Das sei kein Problem, er unterstütze den Vorstoß seines SPD-Kollegen. Man könne das sogar einvernehmlich regeln.

Beliebte Medizin

Doch ob dieser Zusammenschluss tatsächlich Wirkung zeigen könnte, ist fraglich. Obwohl immer noch Zweifel an der Wirksamkeit homöopathischer Anwendungen bestehen, sind die Arzneimittel ausgesprochen beliebt. Einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge haben immerhin über 50 Prozent der Bundesbürger bereits zu homöopathischen Mitteln gegriffen. Bedenkt man, dass im Jahr 1970 nur rund 25 Prozent der Deutschen solche Arzneien eingenommen haben, so ist die steigende Akzeptanz offensichtlich.

Großes Angebot

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen die homöopathischen Arzneien nicht zahlen, denn sie sind kein Bestandteil des Leistungskatalogs der GKV. Doch sehr viele Krankenkassen bieten besondere Programme oder Wahltarife an, in deren Rahmen die Homöopathie angeboten wird. Auch spezielle Verträge mit homöopathischen Therapeuten sind bei manchen Krankenkassen zu finden. Nach Meinung vieler Wissenschaftler beruht die Wirkung der Homöopathie auf Placeboeffekten. Die Patienten werden gründlich untersucht, der Arzt hört zu, und das allein führt zu Beruhigung und zur Aktivierung von Selbstheilungskräften.

Ganzheitliche Medizin

Was auch immer die homöopathische Wirkung auslöst, der Vorschlag von Karl Lauterbach hat zu erheblichen Protesten geführt. Die Grünen wollen die Naturheilverfahren unbedingt bei den gesetzlichen Krankenkassen belassen. Ganzheitliche Behandlungsansätze, wie die Homöopathie sie bietet, seien nötig und würden selbst von Schulmedizinern nicht mehr völlig abgelehnt. Ein Verbot würde außerdem ausgerechnet Menschen mit dem Anspruch auf gesunde Lebensführung treffen.

Pro Homöopathie

Die Krankenkassen selbst wollen die speziellen Angebote zur Homöopathie unter ihrem Dach halten. Die Beiträge würden erhöht und Mehrausgaben für Ärzte und Krankenhäuser sind in der Diskussion. Da sei es fatal, wenn Leistungskürzungen für die Versicherten angedacht würden. Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, wies die Forderungen zurück. “Hier beginnt eine Debatte in die völlig verkehrte Richtung zu laufen.” Natürlich meldeten sich auch die Homöopathen zu Wort. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte nahm zu den Vorgängen Stellung. Die Homöopathie sei “in der Praxis effektiv und kostengünstig”.

Prüfungsansätze  

Gesundheitsminister Philipp Rösler sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. “Grundsätzlich spricht nichts gegen Wahltarife, auch nicht bei der Homöopathie,” so Rösler in einem Gespräch mit der “Passauer Neuen Presse”. Man dürfe nur die Gemeinschaft der Versicherten nicht übermäßig belasten. Im Allgemeinen würden die Wahltarife ohnehin noch auf den Prüfstand gestellt.