Studie der Barmer GEK kritisiert private Krankenversicherung
Studie der Barmer GEK kritisiert private Krankenversicherung

Eine neue repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest soll die Unzufriedenheit der Versicherten offen legen. Auftraggeber ist die Barmer GEK. Ziel der Studie war es, die Einstellungen der Versicherten zu den Systemen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung (PKV) zu ermitteln. Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Schluss, dass die private Krankenversicherung von rund 20 Prozent der Versicherten als „attraktiv“ oder „äußerst attraktiv“ erachtet wird. Allerdings fühlt sich nur ein Drittel der privat Versicherten in der PKV gut aufgehoben. In ihrem Schluss fordert der Auftraggeber der Umfrage sogar die Abschaffung der PKV. Diese könne sich dann immer noch auf das Geschäft der Zusatzversicherung konzentrieren, so Barmer-Sprecher Athanasios Drougias in der Frankfurter Rundschau. Die PKV verweist dagegen auf Nachhaltigkeit der Kapitaldeckung.

Beamte überwiegend zufrieden

Gegenteilige Erkenntnisse im Hinblick auf die Zufriedenheit in der privaten Krankenversicherung hat hingegen die Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) in Ingolstadt. In ihrer repräsentativen Umfrage an junge Beamte waren 93 Prozent der Teilnehmer mit ihrer privaten Versicherung “sehr” bzw. “eher zufrieden” – auch wenn sie bei einem wiederholten Abschluss oder Wechsel im Vorfeld die Anbieter ausführlicher vergleichen würden. Beamte sind mit einem Anteil von rund 50 Prozent die größte Gruppe der privat Versicherten.

Problemfelder Kostensteigerung und Kostenerstattung

Sowohl private als auch gesetzliche Krankenversicherung haben mit steigenden Kosten im Gesundheitssystem zu kämpfen. Daraus resultieren steigende Beiträge in beiden Systemen. Etwa 15 Prozent der privat Versicherten sind damit unzufrieden. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind es nur halb so viele. Doch nicht nur die Kosten, auch die Kostenübernahme bestimmter Leistungen ist ein Problemfeld im Bereich der Kundenzufriedenheit. Jeweils knapp zehn Prozent der Versicherten der PKV als auch der GKV sind hiermit nicht zufrieden. Die Praxis bei der Kostenerstattung ist nach Meinung der Versicherten ebenfalls nicht perfekt. Über 30 Prozent erachten dieses System als nachteilig. Die Nachvollziehbarkeit bei der Aufstellung von Kosten und Leistungen ist laut der Umfrage nur für die Hälfte der PKV-Versicherten gegeben. Kassenpatienten lehnen das Prinzip der Kostenerstattung mehrheitlich ab, wünschen sich dennoch mehr Transparenz bei den Ausgaben der Krankenkassen.

Barmer GEK greift PKV an

Für den Auftraggeber der neuen Studie sind die Ergebnisse der Studie eindeutig einzuordnen: Die private Krankenversicherung sei ohne staatliche Beihilfen nicht überlebensfähig und sollte daher “in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden“, so Unternehmenssprecher Athanasios Drougias in der Frankfurter Rundschau. Allerdings werden insbesondere die gesetzlichen Krankenkassen über Beiträge und Steuermittel finanziert. Der Verband der privaten Krankenversicherung kritisiert sogar immer wieder, dass privat Versicherte finanziell überproportional an Gesundheitskosten beteiligt seien und damit auch das gesetzliche System stütze. PKV-Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte spricht angesichts der Eigenverantwortung der Patienten in der PKV von einem "nachhaltigen Prinzip der Kapitaldeckung, das auch in den Nachwehen der Bankenkrise gut und stabil funktioniert."