Studie: Gerechte Versorgung nur mit Priorisierung
Studie: Gerechte Versorgung nur mit Priorisierung

“Die Medizin ist in der Lage mehr zu leisten, als die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen kann – dies ist heute schon Realität.“ Die IGSF-Studie “Bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln” kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass der einzige Weg zu einem gerechten und finanzierbaren Gesundheitswesen über eine Priorisierung und Rationierung von Gesundheitsleistungen führen muss. Die GKV müsse sich “an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen”. Nötig ist für Professor Beske, dass jeder Bürger sicher sein kann, dass er bei ernsthafter Erkrankung sofort Zugang zu einer effizienten Versorgung bekommt. Die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen brauchen Verlässlichkeit. Es muss klar sein, worauf man sich verlassen kann und wo die eigene Vorsorge einsetzen muss.

Neue Wege

Die Regierungskoalition und viele Regierungen vor ihr haben nach zukunftsweisenden Konzepten gesucht. Das Gesundheitswesen befindet sind in einer permanenten Reform. Doch es wird keine Maßnahmen geben, die die kommenden Ausgaben der GKV decken könnte. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass nur eine Rationierung das ermöglicht. Die skandinavischen Länder haben diesen Weg schon seit Jahren eingeschlagen und kommen gut damit zurecht. Doch die deutsche Politik ignoriert jedoch die Tatsachen und weicht jeder Diskussion aus. “Dabei ist eine implizite Rationierung, wie wir sie heute haben, die ungerechteste und unsozialste Form der Leistungseinschränkung.”

Voraussicht

Die aktuelle Lage könne nicht so bleiben, mahnt Professor Beske. Im Moment bestimmt der Leistungsbedarf der Versicherten, wie hoch das Finanzvolumen der GKV zu sein hat. Doch bereits in zehn Jahren kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter. Die Situation wird kritisch werden. “Dann bestimmt das zur Verfügung stehende Finanzvolumen den Leistungsumfang der GKV”. Doch um dann nicht vor nur schwer lösbaren Problemen zu stehen, muss bereits heute gehandelt werden.

Gesellschaftliche Vorgaben

Die Studie des IGSF schlägt einen klaren und eindeutigen Weg vor: Unerlässlich ist die Konzentration auf notwendige Leistungen, deren Zielvorgaben von der Politik bestimmt werden. Dazu müssen die vorhandenen Mittel gerecht und durchschaubar so verteilt werden, dass jeder Versicherte davon profitiert. Es muss ein ständiger medizinischer und gesellschaftlicher Prozess angestoßen werden, der immer wieder in einem Konsens mündet. Bestimmt werden muss immer neu, welche Leistungen mit den verfügbaren Mitteln gerecht finanziert werden können.

Sachliche Auseinandersetzung

Das passende Gremium für eine solche Aufgabe könnte die Bundesärztekammer (BÄK) sein. Dort ist die Kompetenz zu finden, mit der ein Katalog der vorrangigen Leistungen erstellt werden könnte. Zustimmung kommt von Professor Christoph Fuchs, dem BÄK-Hauptgeschäftsführer. “Ein universelles Leistungssystem ist nicht mehr zu verantworten.” Auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sieht die Studie als richtigen Weg. Er fordert die “Entdämonisierung” der Begriffen Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen.

Verantwortungen

Die Mitglieder der GKV sind in ihrer Mehrheit noch mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zufrieden. Doch auch die Versicherten beginnen bereits, mit Skepsis in die Zukunft zu sehen. Bereits heute ist in manchen Fällen keine Behandlung nach den ärztlichen Leitlinien mehr möglich. Die Einschränkungen durch Bürokratie oder Budgets verhindert das. Doch notwendige Rationierungen sollten von der Gesellschaft und ihren gewählten Vertretern begründet werden, und nicht vom niedergelassenen Arzt.

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