Studie: Zusatzbeitrag sorgt nicht für genug Wettbewerb
Studie: Zusatzbeitrag sorgt nicht für genug Wettbewerb

Der Autor der Studie, Dieter Bräuninger von der Deutschen Bank-Gruppe, befürwortet die wettbewerbsfördernden Elemente der jüngsten Gesundheitsreform: Pauschalbeträge, welche die Krankenkassen eigenständig festlegen und erheben können. Er ist für die schrittweise Entkopplung der Kosten im Gesundheitssystem vom beitragspflichtigen Einkommen der Versicherten. Diesen müsse klar gemacht werden, dass Gesundheit künftig mehr kosten und die Hauptlast auf ihnen selbst liegen wird. Trotzdem sind Bräuninger diese Maßnahmen noch nicht konsequent genug. Wer mehr Transparenz und Wettbewerb in der GKV wolle, der müsse den Kassen auch die Möglichkeiten dafür geben. Mehr Marktwirtschaft und härteren Wettbewerb fordert der Autor für das gesamte GKV-System, die Rabattverträge in der Pharmaindustrie und den Apotheken führt Bräuninger als erfolgversprechendes Beispiel an.

Alle Einkünfte der Versicherten berücksichtigen

Für die Berechnung des angedachten Sozialausgleichs aus Steuermitteln favorisiert Bräuninger wie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Berücksichtigung des gesamten steuerpflichtigen Einkommens eines Versicherten: Dazu zählt dann nicht mehr nur das sozialversicherungspflichtige Einkommen, sondern auch Miet- und Kapitaleinnahmen. Tatsächlich sage allein das Gehalt wenig über die finanzielle Leistungsfähigkeit des Beitragszahlers aus.

Steuerfinanzierter Sozialausgleich positiv bewertet

Für den Sozialausgleich, der Geringverdienern zusteht, wenn der geforderte Zusatzbeitrag ihre Belastungsgrenze überschreitet, soll aus Steuermitteln finanziert werden. Weil er innerhalb der nächsten Dekade mit Zusatzbeiträgen im dreistelligen Bereich rechne, begrüßt Bräuninger diese Art der Finanzierung. Ein komplett steuerfinanziertes Gesundheitswesen lehnt er allerdings ab: "Das würde dem Staat Tür und Tor zur Regulierung öffnen", sagte er der Ärzte-Zeitung vor der Veröffentlichung der Studie. Er setze stattdessen auf mehr Wettbewerb und Marktwirtschaft im Gesundheitssystem.

Weniger Kassen durch mehr Wettbewerb

Für die Zukunft prognostiziert Jens Michael Otte, der den Öffentlichen Sektor der Deutschen Bank leitet, eine Fortsetzung des Fusionstrends unter den gesetzlichen Krankenkassen. Er schätzt, dass infolge der vermehrten Erhebung von Zusatzbeiträgen ab 2012 viele Kassen erneut Mitglieder verlieren werden und die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen auf eine zweistellige Zahl schrumpfen werde. Aktuell gibt es in Deutschland 162 Krankenkassen. Für 2011 erwarten die Experten keine großen Umwälzungen im System, da die gesetzliche Krankenversicherung infolge der Beitragserhöhung zunächst Planungssicherheit habe und die meisten Kassen auf einen Zusatzbeitrag verzichten könnten.  

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