Ohrgeräusche
App behandelt Ohrgeräusche © panthermedia.net / imagepointfr

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat in Kooperation mit dem Verband der HNO-Ärzte und dem Start-Up-Unternehmen Sonormed ein neues Projekt ins Leben gerufen: Mit Hilfe einer App sollen Menschen, die an Tinnitus leiden, von ihren Beschwerden erlöst werden.

Leben mit Tinnitus

Rund drei Millionen Menschen leiden an Tinnitus. Diese Zahl gibt die TK in ihrer Pressemitteilung zur neuen App an. Tinnitus ist eine Krankheit, bei der die Betroffenen störende Geräusche wie Pfeifen oder Rauschen, ohne eine existierende Geräuschquelle, wahrnehmen. Es handelt sich dabei um eine Überaktivität bestimmter Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns. Die Folge sind Schlafstörungen, Arbeitsunfähigkeit und Depressionen.

Neuer digitaler Ansatz: Tinnitracks

Da nicht alle Behandlungsmethoden von Tinnitus erfolgreich sind, sehen Ärzte, laut TK-Vorstandschef Dr. Jens Baas, die App „Tinnitracks“ als eine neue digitale Alternative zur konventionellen Therapie. In dem Projekt wird die App von 30 HNO-Ärzten getestet. Die App stellt der Arzt dem Patienten auf Rezept aus, sodass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Während des Besuchs wird zuerst die individuelle Störfrequenz bestimmt. Der Betroffene kann sich anschließend seine Lieblingsmusik herunterladen, welche die Störgeräusche ausblendet. Das regelmäßige Hören soll die Überaktivität der Nervenzellen verringern. Ziel ist es, in einem Zeitraum von zwölf Monaten, täglich 90 Minuten die Musik zu hören, um sich den störenden Ton endgültig abzugewöhnen. Die App ist ab Oktober erhältlich.

Diskussion um Datenschutz

Um die App nutzen zu können, müssen Patienten zuerst ein Benutzerkonto anlegen. Dadurch kommt die Frage auf, ob dies nicht gegen das Datenschutzgesetz verstößt? Kritiker sprechen bereits angesichts steigender Zahlen der verschiedenen Medizinapps von Überwachung. Schon seit langem experimentiert die TK mit gesundheitlichen Apps wie zum Beispiel den Allergie-Apps oder den Diabetes-Apps. Sie erleichtern den Austausch der Daten zwischen dem Patienten und dem Arzt. Zusätzlich können sie auch Warnungen ausstoßen, indem sie das Ergebnis einer Blutzuckermessung an den Arzt übertragen. Im Zuge der Digitalisierung bezuschusst die Kasse mittlerweile sogar Geräte wie die Apple Watch und sorgt damit weiter für Diskussionsstoff.