Tod eines Babys - Mediziner auch in zweiter Instanz verurteilt
Tod eines Babys - Mediziner auch in zweiter Instanz verurteilt

Nach seiner Aussage war der Student der Ansicht, dass er dem an Leukämie leidenden Kind auch ein Antibiotikum verabreichen sollte. Das Medikament sollte dem Kind zum Schlucken mit einer Spritze in den Mund geträufelt wurde. Der PJler hatte das Medikament jedoch in eine Kanüle gefüllt und dem Baby das Antibiotikum intravenös gegeben. Nach dreieinhalb Stunden starb das Kind an den Folgen dieser Infusion. In erster Instanz war der Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Er sollte nach diesem Urteil 120 Tagessätze zahlen, ein Betrag von 1.800 Euro. Der junge Mann ging in die Berufung, doch auch das Landgericht Bielefeld verurteilte den Mediziner wegen fahrlässiger Tötung. Allerdings wurde die Geldstrafe von 120 auf 90 Tagessätze abgesenkt. Der Betrag von 1.800 Euro blieb dabei unverändert.

Organisatorische Probleme in der Klinik   

Der Grund für diese Veränderung liegt darin, dass die Verurteilung nicht im Führungszeugnis vermerkt wird. Erst ab 91 Tagessätzen werden Strafen dort angegeben. Der Richter machte klar, dass der Student das Unglück hätte verhindern können. Er hätte lediglich noch einmal nachfragen müssen. Allerdings habe das Gericht auch berücksichtigt, dass es in der Klinik organisatorische Probleme gegeben habe. So habe es in der Klinik beispielsweise keinerlei schriftliche Konzepte zur Einarbeitung der PJler gegeben.

Verwechselung der Spritzen ursächlich  

Auch sind in der Bielefelder Klinik die gleichen Spritzen für orale und intravenöse Anwendung von Medikamenten benutzt worden. Dabei sei es auch in Deutschland bereits bekannt gewesen, dass es in den USA zahlreiche Verwechselungen gegeben habe. Das Krankenhaus hat aber erst am Tag nach dem Unglück auf der Krebsstation für Kinder das System der Spritzen so umgestellt, dass keine Vertauschung mehr möglich war. Die Verteidigung hatte wegen dieser Mängel Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Die Klinik trage eine Mitschuld. Dem damaligen Studenten sei kein Vorwurf zu machen, denn er konnte die Mängel im System der Klinik nicht erkennen. Zudem kannte der Student die Krankenakte des Kindes nicht und hatte die Übergabe auf der Station verpasst. Außerdem war die Spritze nicht beschriftet, wie es sonst bei intravenöser Anwendung üblich war.

Chefarzt spricht von Blackout

Der Chefarzt hatte eine für den angeklagten positive Aussage gemacht. Der Student habe ihm gegenüber von einem Blackout gesprochen. Der Angeklagte habe große Fähigkeiten und reiche Erfahrungen, sagte der Richter. Lege man das zugrunde, so sei das Handeln des Angeklagten tatsächlich nur mit einem Blackout zu erklären. Trotz allem hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, das Urteil der ersten Instanz zu betätigen. Nach dem Urteil wollen sowohl der Ankläger als auch der Verteidiger auf die Urteilsbegründung warten. Erst dann soll entschieden werden, ob man gegen das Urteil vorgehen werde.

Eltern können das Urteil nicht akzeptieren  

Die Eltern des Kindes haben die Verhandlung als Nebenkläger verfolgt. Es ist verständlich, dass sie mit diesem Urteil auf keinen Fall einverstanden sein können. Während der Angeklagte zumindest äußerlich sehr ruhig erschien, konnten die Eltern des verstorbenen Kindes ihre Tränen kaum zurückhalten. Sie verließen den Gerichtssaal noch während der Urteilsbegründung. (Aktenzeichen 18 Js 279/11)

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