Über die Unisex-Tarife, die seit dem 21. Dezember 2012 aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes angeboten werden müssen, wurden schon lange vor ihrer Einführung diskutiert. Viele der Szenarien, die seinerzeit in recht düsteren Tönen gezeichnet wurden, scheinen sich jetzt zu bewahrheiten. Statt Gerechtigkeit, wie von den Richtern erhofft, bringen die geschlechtsneutralen Tarife vor allem höhere Rechnungen für die Versicherungsnehmer. Viele Neuverträge sind spürbar teurer geworden – insbesondere bei der privaten Krankenversicherung.

Erste Vergleiche der alten Verträge mit den Unisex-Tarifen zeigen recht deutlich, dass Kunden, die eine neue Police abschließen oder in einen neuen Tarif wechseln, jetzt tiefer in die Tasche greifen müssen. Ob Mann oder Frau spielt dabei nur bedingt eine Rolle. Die Hoffnung, dass sich die Anpassungen über die verschiedenen Versicherungssparten hinweg ausgleichen würden, hat sich weitgehend zerschlagen. In der privaten Krankenversicherung zahlte ein 30-jähriger Mann bislang rund 387,43 Euro, eine gleichaltrige Frau wurde mit 490,54 Euro zur Kasse gebeten. Der Unisex-Tarif mit gleicher Leistung liegt bei 489,35 Euro. Männer zahlen jetzt 101,92 Euro mehr, Frauen in dieser Altersklasse sparen immerhin 1,19 Euro jeden Monat (Quelle: Morgen & Morgen).

Bei 40-Jährigen werden jetzt 590,17 Euro statt 493,49 bzw. 582,54 Euro fällig. Das heißt: Männer müssen 96,67 Euro und Frauen 7,63 Euro mehr berappen. Auch bei den Krankenzusatzversicherungen ergibt sich für keines der Geschlechter eine echte Sparoption. Beide müssen ein paar Euro mehr löhnen. Der Vorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, ist verständlicherweise nicht erfreut darüber: „Die neuen Tarife werden eklatant und krass zulasten der Versicherten umgesetzt“, erklärte er im Gespräch mit dem „Manager Magazin“. Die Beiträge würden auch deshalb angepasst, um die eigenen Gewinne zu steigern, mutmaßt der Verbraucherschützer.

Dass die Beiträge gerade in der PKV so stark anziehen, begründet die Branche übrigens damit, dass die Tarifunterschiede zwischen den Geschlechtern bislang sehr groß waren – bis zu 30 Prozent. Zudem müsse bei lang laufenden Verträgen vorsichtig kalkuliert werden, unter anderem, weil Wanderungsbewegungen von Kunden befürchtet werden. Das Problem: Wie genau die Tarife berechnet wurden, lässt sich nicht nachvollziehen.

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