Unisex-Tarife: Private Krankenversicherung für Männer teurer
Unisex-Tarife: Private Krankenversicherung für Männer teurer

Männer, die eine private Krankenversicherung abschließen wollen, sollten nicht mehr zu lange zögern. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im Frühjahr 2011 entschieden, dass eine Risikokalkulation nach Geschlecht bei den privaten Versicherungsunternehmen einen Verstoß gegen das Gleichstellungsprinzip der Europäischen Union darstellt. Ab dem 21. Dezember 2012 müssen die privaten Versicherer daher Unisex-Tarife anbieten, deren Beiträge geschlechtsneutral berechnet werden. Experten rechnen mit einer Beitragssteigerung von zwischen 8 und 30 Prozent für männliche Versicherte. Für Frauen hat die Umstellung der Tarife hingegen deutliche Vorteile. Sie zahlen im Unisex-Tarif weniger als bisher. Männer, die sowieso einen Wechsel in die private Krankenversicherung planen, sollten damit nicht mehr zu lange warten. Erfolgt ein Vertragsabschluss noch vor dem Stichtag können Betroffene in den kommenden Jahren erhebliche Kosten sparen. 

Beitragsberechnung nach Geschlecht ab Dezember unwirksam

Bisher bestanden durch die Beitragsberechnung in der privaten Krankenversicherung Prämienunterschiede zwischen Mann und Frau von bis zu 20 Prozent. Begründet wurde dies damit, dass Männer gefährlicher und ungesünder leben als Frauen und daher früher sterben. Zudem wurde angebracht, dass Frauen, bedingt durch Schwangerschaft und Geburt im Schnitt mehr ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen als Männer. Diese Berechnungsgrundlagen sind durch das Unisex-Urteil ab Dezember nichtig, wobei der Faktor Schwangerschaft bereits vorher aus der Kalkulation herausgelassen wurde.

Karten werden neu gemischt

Mit Einführung der einheitlichen Tarife wird erwartet, dass Frauen künftig weniger zahlen werden als zuvor. Frauen, die jetzt noch einen alten Vertrag besitzen, wird daher empfohlen in einen Unisex-Tarif zu wechseln. Dies ist in der Regel ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich. Für Männer hingegen waren die bisherigen Tarife deutlich günstiger. Vor allem für junge Männer ohne Familie zahlte sich die private Krankenversicherung aus. Ab 21. Dezember 2012 erhält dieser Kostenvorteil einen spürbaren Dämpfer. Betroffene sollten sich daher noch einen alten Vertrag zu den bisherigen Konditionen sichern. Die Auswirkungen der Einführung der Unisex-Tarife sind künftig nicht nur in der privaten Krankenversicherung für Männer spürbar. So müssen männliche Versicherte auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung, in der privaten Rentenversicherung oder in der Pflegezusatzversicherung bei einem Unisex-Tarif mehr Beiträge zahlen.

Neue Unisex-Tarife prüfen

Trotz der knapper werdenden Zeit ist jedoch von einem unüberlegten Wechsel dringend abzuraten. Die Tarife und die enthaltenden Leistungen der privaten Krankenversicherungen unterscheiden sich mitunter erheblich. Eine private Krankenversicherung sollte stets individuell auf den Versicherten zugeschnitten sein, damit alle Wünsche und Bedürfnisse des Kunden bedient werden können. Vor dem Wechsel gilt es daher sich gut zu informieren und die zahlreichen alten und neuen Unisex-Tarife für die private Krankenversicherung zu vergleichen.

Effekt der Beitragserhöhung für viele Versicherte

Für viel Zündstoff sorgen die Unisex-Tarife auch, weil ab 21. Dezember nicht nur die Beiträge für Männer sondern für alle Versicherten steigen werden. Wie die Financial Times berichtet, würden viele Versicherer mit den Unisex-Tarifen auch eine Absenkung des Rechnungszinses vornehmen. Der Rechnungszins ist eine untere Grenze, mit der Altersrückstellungen am Kapitalmarkt verzinst werden. Sinkt der Zins, müssen Kunden diesen Verlsut ausgleichen, in dem sie mehr Geld für ihre Altersrückstellung bereitstellen, um den erforderlichen Betrag zu erreichen. Eine allgemeine Beitragserhöhung ginge mit der Einführung der Unisex-Tarife somit quasi automatisch einher, so die Financial Times.