Viele erwarten erneute steigende Beiträge zur Kfz-Versicherung
Viele erwarten erneute steigende Beiträge zur Kfz-Versicherung

Wie die gesamte Versicherungsbranche, so wird auch der Zweig der Kfz-Versicherung spätestens zum 21.12.2012 auf Unisex-Tarife umgestellt. Das bedeutet, dass die Beiträge für neu abgeschlossene Verträge nicht mehr unterschiedlich für Männer und Frauen berechnet werden dürfen. Dies geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Frühjahr 2011 zurück, nach dem geschlechtsspezifische Versicherungspolicen nicht mit dem Gleichstellungsprinzip der Europäischen Union (EU) vereinbar sind. Auswirkungen hat dies in der Sparte der Autoversicherungen vor allem für junge Fahrer, denn in der Altersgruppe der unter 25-Jährigen werden 75 Prozent der Unfälle von männlichen Fahrzeugführern verursacht. Diese mussten daher bis jetzt viel höhere Beiträge aufbringen.

Junge Frauen zahlen um die 11 Prozent mehr

Die Beratungsfirma „Oxera“ kalkulierte anhand von Daten aus verschiedenen europäischen Ländern, dass die Unisex-Umstellung für Frauen eine Beitragssteigerung von rund elf Prozent mit sich bringen wird. Junge Männer profitieren dann zum einen von den niedrigeren Unisex-Tarifen, als auch von der neuen Rabattstaffelung, die Fahranfänger allgemein entlasten wird.

Mit zunehmenden Alter werden die Auswirkungen der Umstellung dann geringer, da sich auch Unfallstatistiken immer mehr angleichen. Darüber hinaus werden die Kfz-Policen anhand von bis zu 40 verschiedenen Faktoren berechnet – die Unisex-Umstellung wird daher nicht so große Änderungen mit sich bringen. Einige Versicherer haben im Zuge der Umstellung der Rabattstaffelung bereits jetzt auf Unisex umgestellt, so z.B. die Generali AG und die BGV/Badische Versicherung.

Ältere Fahrer von starken Beitragserhöhungen betroffen

Doch vor allem ältere Fahrzeugführer werden im kommenden Jahr stärker zur Kasse gebeten. Nach Beispielrechnungen der Süddeutschen Zeitung (SZ) müssen sich so 85-jährige Autofahrer im Vergleich zu 60-jährigen auf um bis zu 100 Prozent höhere Beiträge vorbereiten. “Nach unseren Berechnungen ist das Risiko, einen Unfall mit Toten und Verletzten zu verschulden, bei den über 75-Jährigen höher als bei den jungen Fahrern zwischen 18 und 24 Jahren”, heißt es dazu von Siegfried Brockmann, dem Leiter der Unfallforschung der Versicherer in Berlin.

Versicherungen: Keine speziellen Seniorenzuschläge

Verursacher der hohen Beiträge könnte die Einbeziehung des Alters in die Typenklassen sein. Hier werden die Unfallhäufigkeit der Haftpflicht- und Kaskoschäden der einzelnen Fahrzeugtypen neu in den Altergruppen ermittelt. Lediglich der verbreitete Kfz-Schutzbrief bleibt von diesen Beitragsänderungen verschont. Die Versicherungen wehren sich gegen die Vorwürfe spezieller Seniorenzuschläge. Bei der Allianz steht man zwar dazu, dass “das Alter der Versicherungsnehmer und der Fahrer einen Einfluss auf die zu entrichtende Prämie hat”, sagt jedoch dass es keine festen Zuschläge für Ältere gibt. Bei der HDI-Gerling bezeichnet man die höheren Senioren-Prämien hingegen “Interna des Hauses”. Die LVM folge nach eigenen Aussagen den Empfehlungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Senioren können weiterhin profitieren

Doch die jahrelange Fahrerfahrung der Älteren wird sich trotzdem weiterhin auszahlen. “Senioren profitieren weiterhin, soweit sie schadenfrei geblieben sind, von einer sehr guten Einstufung in eine Schadenfreiheitsrabattklasse”, so Katrin Rüter de Escobar, Sprecherin des GDV. Häufig zahlen diese nur 20 Prozent des Grundbeitrages. Nach einem Schadensfall kann es dann aber teuer werden, wenn der Rabatt wegfällt und die Zuschläge komplett zum Tragen kommen. Doch nicht jedes Kfz-Versicherungsunternehmen macht so große Unterschiede zwischen jung und alt – teilweise können sich Beiträge um bis zu 70 Prozent unterscheiden. Wer von starken Beitragssteigerungen betroffen ist, dem steht immer noch der Wechsel der Kfz-Versicherung offen, oft sogar mit Sonderkündigungsrecht.