Das politische Fernsehmagazin „Kontraste“ stellte kürzlich zwei Menschen vor, die ihre Mitgliedschaft in der PKV aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bald nicht mehr bezahlen können bzw. diese bereits aufgegeben haben und nun ohne ärztliche Versorgung dastehen. Betroffe wenden sich dann häufig an Institutionen, die Behandlungen ohne zusätzliche Bezahlung ermöglichen. Dazu gehört etwa die Praxis ohne Grenzen – Region Bad Segeberg e.V. Im ersten Fall, der von „Kontraste“ dokumentiert wurde, geht es um eine Rentnerin, deren private Krankenversicherung den Beitrag um zwanzig Prozent nach oben korrigierte. Zusätzlich wurde die Selbstbeteiligung auf 1.000 Euro erhöht. Zu viel für die Betroffene, die nun vor dem Hintergrund der Kosten alles versucht, um medizinischen Behandlungen aus dem Weg zu gehen. Parallel möchte sie genügend Geld sparen, um 2013 den Arzt aufzusuchen. Dem Bericht zufolge ist die Frau während ihrer Berufstätigkeit von einem PKV-Anbieter mit dem Argument angeworben worden, ein gewisser Teil ihres Beitrags werde als Altersrücklage für ihre Prämienstabilität eingesetzt. In diesem Zusammenhang liege der Rentnerin ein Dokument vor, in dem ihr seitens des PKV-Unternehmens die Summe ihrer Altersrücklagen bescheinigt wird. Diese beläuft sich auf beinahe 40.000 Euro. Dass diese Summe der gesamten Versichertengemeinschaft zugutekommt, wurde der Frau offenbar nicht angemessen erläutert.

Branchenexperte kritisiert Werbung mit Altersrückstellungen in PKV

Laut Rüdiger Falken, unabhängiger Versicherungsberater, besitzen Botschaften der privaten Krankenversicherungen, die sich auf milliardenschwere Altersrückstellungen und Beitragsstabilität beziehen, mehr Werbe- als Wahrheitsgehalt. Demnach würde längst nicht genügend Geld für die Altersrückstellungen eingenommen. Eine Unterkalkulation in allen Tarifen sei mit der Konsequenz verbunden, „dass langfristig viel zu wenig Geld fürs Alter von der privaten Krankenversicherung zurückgelegt wird“, so Falken. Auch Verbraucherschutzinstitutionen wie der Bund der Versicherten (BdV) fordern seit längerer Zeit mehr Beitragsstabilität in der PKV ein und unterstreichen, dass es so wie bislang nicht weitergehen könne.

Kostenersparnis beim eigenen PKV-Anbieter nicht immer möglich

Da die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ab dem Alter von 55 Jahren nicht länger möglich ist, bleibt der Rentnerin in dem vorbenannten Fall eigentlich nur der Wechsel in einen günstigeren PKV-Tarif ihres bisherigen Krankenversicherers. Nur so bleiben die Altersrückstellungen erhalten, während gleichzeitig Kosten gespart werden können. Die Krux: Die einzige Alternative, die die Frau von Seiten ihrer PKV laut dem „Kontraste“-Bericht erhielt, war der Wechsel in den PKV-Basistarif. Dieser schlägt in dem betreffenden Fall aber mit etwa 600 Euro und damit noch mehr Geld zu Buche als der gegenwärtige Tarif. Der Hintergrund: Ziel der Einführung des Basistarifs im Jahre 2009 war es, privat versicherten Menschen, die im Verlaufe ihres Lebens über deutlich geringere finanzielle Mittel verfügen als während ihres Eintritts, eine kostengünstige Alternative in der PKV zu bieten. Nicht wenige Kritiker sind der Ansicht, dass das ursprüngliche Ziel dieses Tarifs durch die Intervention der PKV-Lobby und die damit verbundene Festlegung des Beitragshöchstsatzes auf etwa 600 Euro aufgeweicht wurde. Was der „Kontraste“-Bericht nicht ausführt, ist die Möglichkeit der Frau, auf § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zum Tarifwechsel zu pochen. Eventuell würde sich Ihr Anbieter dann doch noch dazu durchringen, ihr eine weitere, tatsächliche Alternative zu bieten.

Mann ohne Krankenversicherung soll OP-Kosten selbst übernehmen

In dem zweiten Fall, den die Redaktion des „Kontraste“-Magazins vorstellte, geht es um einen Mann, der früher als Selbständiger im Textilgewerbe tätig war. Aufgrund schlecht laufender Geschäfte konnte er seine private Krankenversicherung eines Tages nicht mehr bezahlen. Nun soll er Klinikrechnungen im Rahmen von 20.000 Euro eigenständig tragen. Entsprechende Kosten sind durch verschiedene operative Eingriffe entstanden. Auf die Frage der Journalisten, warum die Bundesregierung in dieser Hinsicht nichts gegen die Existenzgefährdung der Menschen unternehme, antwortete Dr. Rolf Koschorrek, CDU-Politiker und Mitglied des Gesundheitsausschusses, laut dem Politmagazin es werde nicht so sein, „dass wir jede soziale Not dort abfedern können innerhalb der Tarife. Dafür haben wir die sozialen Federungssysteme in der Gesellschaft, die ja entsprechend dafür greifen.“ Das bedeutet: Rentner ab 65 Jahren mit einer Rente, die den Betrag von 700 Euro unterschreitet, sind nach § 41 des SGB XII – Sozialhilfe ggf. leistungsberechtigt.