Vorschlag: Private Krankenversicherung für alle
Vorschlag: Private Krankenversicherung für alle

Ulrich van Suntum, Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung der Uni Münster, stößt mit einem weiteren Vorschlag in die Debatte um die Gesundheitsreform. Der Vorschlag, dem es bislang noch an einem knackigen Namen mangelt, möchte versuchen, die Kritik an der Kopfpauschale und der Bürgerversicherung aufzuheben. Wettbewerb und Solidarprinzip sind nach Ansicht van Suntums miteinander zu vereinbaren. Dabei will er sogar an dem jetzigen Instrument des Gesundheitsfonds festhalten, allerdings unter radikal anderen Vorzeichen. Die Krankenkassen, so seine Idee, sollen ihren Wettbewerb um die Versicherten, nicht um die individuellen Kostenrisiken führen, die diese naturgemäß mitbringen. Am Ende, so seine Idee, könnte die gesetzliche Krankenkasse in ihrer jetzigen Gestalt zur Gänze überflüssig werden und damit nur noch ein Volk von Privatpatienten übrig bleiben.

Im Zentrum der Gesundheitsfonds

Wie soll das funktionieren? Alle Versicherten, ob privat oder gesetzlich, sollen nach den Plänen von Ulrich van Suntum einen prozentualen Anteil (z.B. 15 Prozent) ihres Gehaltes an ihre Versicherung bezahlen. Bei jungen und gesunden Versicherten mit geringem Gesundheitsrisiko wird etwa die Hälfte dieses Beitrags in einen staatlich organisierten Gesundheitsfonds gezahlt. Aus diesem Topf wiederrum bekommen jene kräftig Zuschüsse, die aufgrund von Alter und Gesundheitszustand ein hohes Risiko mit sich bringen. Van Suntum spricht hier von “positiven” (jung und gesund) und “negativen” (alt oder krank) Risiken.

Wettbewerb um alle Versicherte

Da das Risiko, das Versicherungen durch ältere oder chronisch kranke Mitglieder tragen, soll durch einen Gesundheitsfonds solidarisch abgefangen werden. Dadurch sollen die Krankenkassen in diesem Modell vornehmlich ein Interesse daran haben, alle Personen zu versichern, nicht nur die gesunden. Um dies zu erreichen, können die Versicherungen entweder ihre Leistungen ausbauen oder aber Kostenvorteile, die sie erwirtschaften, an ihre Versicherten weitergeben. Der Wettbewerb, so van Suntum, regelt den Rest, rationalisiert unnötige Kosten weg und schafft Spielräume, eine zunehmend teurer werdende Medizin für alle finanzierbar zu halten.

Problem: Härtefälle

In einem solchen System, so die Idee, wäre der Kontrahierungszwang, also die Verpflichtung der Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen, jeden Versicherten aufzunehmen, hinfällig, so van Suntum. Ob dies in der Praxis tatsächlich der Fall ist oder Versicherungen bei besonders kostenintensiven Härtefällen doch gründlich rechnen, bleibt aber anzunehmen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung bleibt eine Kosten-Nutzen-Rechnung, auch wenn man versucht, durch einen Fonds möglichst bei vielen Menschen den “Nutzen”-Faktor zu erhöhen.

Verschärfung der 2-Klassen Medizin?

Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Ulrich van Suntum Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist, einem Interessensverband, der aufgrund marktradikaler Ansätze nicht unumstritten ist. In diesem Zusammenhang könnte auch dieser Vorstoß ein Versuch sein, gesetzliche Krankenkassen langfristig überflüssig werden zu lassen. Dass ein solcher Systemwechsel womöglich den Einstieg in eine Gesundheitsversorgung mit Basistarif darstellt, woraus später “Normal”- und “Deluxe”-Angebote mit Aufpreis entstehen, ist zumindest denkbar.