Wenige Versicherte bereit zum Wechsel der Krankenversicherung
Wenige Versicherte bereit zum Wechsel der Krankenversicherung

Geht man nach einer aktuellen Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg, so scheinen die meisten gesetzlichen Krankenkassen derzeit einen guten Job zu machen: Gut vier von fünf Versicherten sind augenscheinlich zufrieden mit ihrer Krankenversicherung, denn 81,4 Prozent der befragten Personen gaben an, bei ihrer Krankenkasse bleiben zu wollen. Dieses Ergebnis ergibt ein ganz anderes Bild als noch vor einem Jahr. Verunsichert und frustriert von den erhobenen Zusatzbeiträgen kehrten damals viele Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ihrer Krankenkasse den Rücken und wechselten zu einem anderen Anbieter ohne zusätzliche Beiträge. Leidtragende dieser Entwicklung waren vor allem die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK), die bis Juli letzten Jahres rund 241.000 Mitglieder verlor und die BKK Gesundheit, die sogar einen Schwund von 20 Prozent ihrer Versicherten beklagen musste. Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag hingeben konnten Gewinne verzeichnen: Die Techniker Krankenkasse (TK) konnte bis Juli 2010 ein Mitgliederplus von 238.000 verzeichnen.

Wechselwelle bei Krankenkassen abgeebbt

Diese enorme Bewegung auf dem Krankenkassenmarkt hat sich derzeit jedoch beruhigt. Momentan überdenkt nur jeder 17. Kassenpatient (5,9 Prozent) einen Wechsel zu einer anderen Krankenkasse. Etwas verlockender sieht da scheinbar der Wechsel zur privaten Krankenversicherung (PKV) aus, würde dieser problemlos ohne Mindesteinkommen ablaufen. Doch auch hier ist der Anteil der Wechselwilligen mit 6,7 Prozent (jeder 15.) eher gering. Auch die Privatversicherten scheinen zufrieden mit ihrem Versicherer zu sein. Lediglich 7,2 Prozent würden derzeit eine gesetzliche Krankenversicherung vorziehen. Die Befragung wurde im Auftrag der Apotheken Umschau durchgeführt und umfasste 1.927 Personen ab 14 Jahren.

Gründe für weniger Wechsel der Krankenkasse

In diesem Jahr hat sich die Lage auf dem Markt der Krankenkassen beruhigt. Im vergangenen Jahr wurden die Versicherten stark verunsichert, denn kaum ein Monat verging ohne Nachricht über die Einführung eines Zusatzbeitrages bei einer Krankenkasse. Bis Mitte des Jahres mussten 13 Kassen diesen Schritt unternehmen. Diskussionen über eine mögliche Kopfpauschale verunsicherten die Kunden der GKV immer mehr. Auch aus diesem Grund entschied sich die Bundesregierung zu einem Milliardenzuschuss zum Gesundheitsfonds. Die finanzielle Lage der Krankenkassen ist dadurch für 2011 gesichert. Lediglich die BKK Hoesch musste einen neuen Zusatzbeitrag einführen und die mittlerweile insolvente City BKK erhöhte ihre zusätzlichen Beiträge von acht auf 15 Euro.

Erneut Wechsel durch Zusatzbeitrag ab 2012?

Experten sind sich jedoch einig: Kommt es zu keiner Systemänderung, wird es in den kommenden Jahren neue, immer höhere Zusatzbeiträge geben. Auch 2012 werden wieder die ersten Einführungen erwartet, über die Höhe dieser streiten sich jedoch die Experten. Fest steht, dass nicht alle Krankenkassen im gleichen Maße von finanziellen Schwierigkeiten betroffen sein werden und unterschiedliche Zusatzbeiträge die Regel bleiben. Dies wird möglicherweise wieder zu einer verstärkten Wanderung der Versicherten führen. Genauere Entwicklungen bleiben jedoch abzuwarten.