Wenn Pharmakonzerne Studien finanzieren
Wenn Pharmakonzerne Studien finanzieren

Eigentlich ist es ja jedem klar und sogar auch bis zu einem gewissen Grad verständlich. Die klinischen Studien, bei denen Medikamente getestet und auf ihre Wirkung hin untersucht werden, sind selbstverständlich ein wichtiger Faktor bei der Zulassung der Medikamente. Ärzte und Patienten nehmen ein Medikament eher an, wenn die entsprechenden Studien positiv ausfallen. Deshalb versuchen offensichtlich die Hersteller, über die Finanzierung Einfluss auf die Ergebnisse zu nehmen. Die Zahlen und Daten werden so günstig wie eben möglich dargestellt, schlechte und ungenügende Daten werden möglichst verheimlicht. Die aktuelle Studie greift auf 57 Veröffentlichungen zwischen 2002 und 2009 zu. Diese Untersuchungen wollten explizit einen Vergleich zwischen verschieden finanzierten Studien anstellen: Auf der einen Seite die Finanzierungen der Pharmaindustrie, auf der anderen unabhängig finanzierte Untersuchungen.

Irreführungen

Bei 26 der betrachteten Analysen haben die Autoren der Studie die Ergebnisse unter die Lupe genommen. Es gab immerhin bei 23 der Studien einen Zusammenhang zwischen den Resultaten und dem Finanzierungsmodus. Vier Untersuchungen wiesen Auslegungen auf, mit denen der Sponsor gut leben konnte. “Bei der Beurteilung eines Arzneimittels führen Angaben aus publizierten Studien, die von pharmazeutischen Unternehmen finanziert wurden, häufig zu einem verzerrten Bild.” Das ist die einhellige Beurteilung der Studienautoren.

Marketing

Die beteiligten Wissenschaftler haben ein sehr negatives Beispiel für solche Manipulationen benannt. Der Wirkstoff Rofecoxib, ein Mittel gegen Rheuma, war eine zeitlang auf dem deutschen Arzneimittelmarkt. Eine vom Hersteller finanzierte Studie hatte nur scheinbar wissenschaftliche Hintergründe und Fragestellungen. Die Absicht hinter dem wissenschaftlichen Anstrich war nur die, den Wirkstoff bekannt zu machen, die Akzeptanz zu erhöhen und den Verkauf zu fördern. Nach der Offenlegung von internen Konzerndaten in mehreren Prozessen ist deutlich geworden, dass die Marketingabteilung des Konzerns die Studie sowohl konzipiert als auch durchgeführt wurde. Das Fatale an diesem Vorgang war, dass das Medikament nach einiger Zeit wegen massiver Nebenwirkungen, wegen Schlaganfällen und Herzinfarkten zurückgerufen.

Spielzüge

In einem Kommentar im “Ärzteblatt” stellt Professor David Klemperer von der Hochschule Regensburg merkwürdige Ergebnisse fest. “Was würden Sie sagen, wenn der Ausgang eines Fußballspiels von einem der Vereine mit 5 : 0 und vom gegnerischen Verein mit 3 : 1 gemeldet würde, und zwar jeweils für die eigene Mannschaft?” Genau das habe man vergleichsweise in einer der Studien feststellen können. Die Firma Lilly hatte das “Olanzapin”, die Firma Janssen das “Risperidon” gestestet, beides Stoffe zur Behandlung von Psychosen. Die Firma Lilly führte fünf vergleichende Tests durch. Das Ergebnis: 5 : 0 für Olanzapin. Janssen kam in vier Vergleichsstudien mit den gleichen Stoffen zu einem anderen Resultat: 3 : 1 für Risperidon.

Offene Türen

Professor Klemperer macht deutlich, dass in jeder Studie Manipulationen möglich sind. Welche Fragen gestellt oder nicht gestellt werden, wann die Studie für beendet erklärt wird, die Auswahl der Patienten – all das kann die Ergebnisse in eine gewünschte Richtung drehen. Missliebige Daten können verschwiegen oder anders interpretiert werden. Oft sind deshalb die realen Wirkungen der Pharmaprodukte nicht bekannt. “Die Wissensgrundlage, auf der wir Ärzte Behandlungsentscheidungen mit unseren Patienten treffen, ist häufig verfälscht.”

Größerer Durchblick

Diese Situation, so David Klemperer, sei unhaltbar. Der Zusatznutzen für neue Arzneimittel müsse verpflichtend nachgewiesen werden. Gegen die offensichtlich gängigen Manipulationen müsse größere Transparenz gesetzt werden. Alle Protokolle und Grundsatzdaten sollten durchschaubar gemacht werden. Auch könnten Register mit allen Studiendaten gute Hilfestellungen leisten. “Wenn wir es ernst meinen mit dem Patientenwohl, können die Dinge nicht so bleiben, wie sie sind.”

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