Zahnärzte bekommen Zeugnisse im Internet
Zahnärzte bekommen Zeugnisse im Internet

Rund 40 Fragen müssen die Versicherten beantworten. Dabei sind spezielle Aspekte für die Bewertung der Zahnärzte zu klären. So wird zum Beispiel gefragt, ob der Arzt und seine Mitarbeiter den Patienten beruhigen oder auf Ängste eingehen. Doch gerade beim Zahnarzt sind durchaus finanzielle Aspekte wichtig. So muss auch die Frage beantwortet werden, ob der Zahnarzt über die anfallenden Kosten und den Leistungsanteil der Krankenkassen informiert. Freie Texteingaben gibt es auf dem gesamten Portal nicht. So sollen diskriminierende Bewertungen oder auch Beleidigungen wirksam verhindert werden. „Erstmals wird die Bewertung mit einer konkreten Behandlungssituation und einem bestimmten Zahnarzt verknüpft und nicht abstrakt abgefragt“, sagt der Vize-Chef der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Die Fragebögen wurden von Krankenkassen, Wissenschaftlern, Zahnärzten und Patienten ausgearbeitet.

Einbindung der Zahnärzte ist wichtig

Vorerst können nur die Versicherten der drei genannten Krankenkassen die rund 55.000 Zahnärzte bewerten. Außer den Kassen waren auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen und die Bertelsmann Stiftung an der Entwicklung des Portals beteiligt. Die Bewertungen soll die Haus-, Fach- und Zahnärzte nicht verärgern oder angreifen, sondern die Qualität in den Arztpraxen nachhaltig verbessern. Für Dr. Ilona Köster-Steinbach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen ist die Einbindung der Zahnärzte wichtig. Schließlich gebe es nach den Erfahrungen der Beratungspraxis die meisten Fragen und Rückmeldungen zu den Zahnärzten.

Bisher nur wenige Bewertungen

Doch es gibt auch Kritik an der Online-Bewertung. Aus Kreisen der Krankenkassen war zu hören, dass 40 Fragen einfach zu viel seien. Die Versicherten würden davon nur abgeschreckt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass bisher von den rund 130.000 niedergelassenen Haus- und Fachärzten lediglich 3.500 bewertet wurden. Nur wenn für einen Arzt zehn Bewertungen vorliegen, wird sein „Zeugnis“ veröffentlicht. AOK-Chef Jürgen Graalmann weiß um diese Schwierigkeiten, ist aber sicher, dass bis zum Ende dieses Jahres zehn Prozent der Ärzte eine Bewertung erhalten werden. Bei den bisherigen Bewertungen haben die Hausärzte die besseren Bewertungen erhalten. 88 Prozent der Patienten würden ihren Hausarzt weiterempfehlen, wogegen diese positive Aussage nur bei 75 Prozent der Fachärzte gemacht wurde.

Zahnärzte sehen Beurteilungen kritisch

Die Haltung der Ärzte zum Bewertungsportal ist unterschiedlich. So meint Jürgen Fedderwitz, Chef der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, dass ein solches Portal keinesfalls ein Ersatz für die persönliche Beziehung zum Zahnarzt sein kann. Ähnlich argumentiert der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Oesterreich, der die Online-Wertungen insgesamt eher kritisch sieht. „Vor der Frage, wo finde ich einen guten Arzt, steht oft die Frage wie finde ich ein verlässliches Portal?“

Alle Kassen sollen das Portal verstärken

Brigitte Mohn ist Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Sie ist davon überzeugt, dass derartige Verfahren zur Bewertung Zeit brauchen, damit sie von allen Beteiligten akzeptiert werden. In den USA informiert sich nach ihrer Erfahrung rund ein Drittel der Patienten vor einem Arztbesuch im Internet. Brigitte Mohn lädt alle Krankenkassen dazu ein, sich an dem ständig wachsenden Portal zu beteiligen. „Wir wollen einen neuen Standard für die Online-Beurteilung von Medizinern etablieren – aussagekräftig, methodisch hochwertig und fair.“