Zusatzbeitrag: 200.000 wechseln die Krankenkasse
Zusatzbeitrag: 200.000 wechseln die Krankenkasse

Nach einem Bericht der “Bild” vom letzten Freitag haben bereits 200.000 Menschen ihre Krankenkasse gewechselt. Der Grund für diese “Massenflucht” ist natürlich der Zusatzbeitrag. Es gibt durchaus auch Krankenkassen, die die Gunst der Stunde nutzen und stabile Beiträge für das laufende Jahr versprechen. So soll den gesetzlich Versicherten der Wechsel schmackhaft gemacht werden. Sie haben offensichtlich Erfolg, denn  immer mehr Versicherte machen von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch und kehren ihrer Krankenkasse und den Zusatzbeiträgen den Rücken. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung sollen allein der Deutschen BKK schon 86.000 Mitglieder abhanden gekommen sein. 60.000 Versicherte und deren Angehörige, das ist ein Anteil von knapp zehn Prozent. Ein solcher Mitgliederschwund kann schon als dramatisch bezeichnet werden.

Wechsel geht weiter   

Auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) soll bereits 40.000 Kündigungsschreiben auf dem Tisch haben. Weitere Krankenkassen haben Zusatzbeiträge angekündigt, allerdings zu späteren Terminen. Das könnte bedeuten, dass die Wechselwelle noch weiter rollen wird, denn das Sonderkündigungsrecht wird so weiter nach hinten verschoben. Das betrifft beispielsweise die KKH-Allianz, die ihren Zusatzbeitrag zum 1. März 2010 erheben will. Allerdings versuchen die Verantwortlichen, den Unmut über die Beitragserhöhungen anzuschwächen. Es soll einen Rabatt von acht Prozent geben, wenn die Versicherten einen Jahresbeitrag von 96 Euro abbuchen lassen.

Die Gewinner

Der Hauptgewinner ist die BKK FTE in Wolfsburg. Ein Sprecher bestätigte der “Bild”: “Wir verzeichnen einen Zulauf von fast 44.000 neuen Mitgliedern.” Das entspricht einer Zunahme von rund 44 Prozent, und offensichtlich ist das noch nicht der Schlusspunkt. Die letzten zwei Wochen brachten täglich 2.500 neue Mitglieder, und auch über das Internet mehren sich die Anfragen. Seit Januar hat die Barmer GEK 9.000 Versicherte mehr in ihren Reihen. Es sind wahrscheinlich deshalb nicht noch mehr, weil zum 1. Juli diesen Jahres auch bei der Barmer GEK ein Zusatzbeitrag erhoben wird. “Der alte Glaube,” zitiert die “Bild” einen Gesundheitsökonomen, “ein Deutscher bleibe sein Leben lang in seiner Krankenkasse, hat sich durch die Erhebung der Zusatzbeiträge in Luft aufgelöst.”   

Geld vom Bund

Der Laie mag sich wundern über die explosionsartige Vermehrung der Zusatzbeiträge und die Steigerung der Gesundheitsausgaben. Die Politik hat immerhin im Haushalt 2010 einen Bundeszuschuss von 15,7 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung beschlossen. Doch das sind Mittel für gesellschaftliche Aufgaben wie beispielsweise die Mitversicherung der Angehörigen und vor allem der Kinder. Auch die Ausfälle durch die Finanz- und Wirtschaftskrise werden mit 3,9 Milliarden Euro ausgeglichen.

Demografie

Gesundheitsminister Philipp Rösler machte seinen Standpunkt bei der Haushaltsdebatte klar. Es könne nicht mehr um Notoperationen im Gesundheitssystem gehen. Man müsse den Tatsachen ins Auge sehen, dass Gesundheit immer teurer werde. Der medizinische Fortschritt wird weitergehen. Vor allem aber werden wir alle älter und leben länger. Das bedeutet zwangsläufig höhere Kosten. Deshalb müsse es um eine solide Finanzierung gehen und nicht um endlose Reparaturen.

Schlechte Aussichten

Unter solchen Bedingungen werfen die Zahlen des Bundesversicherungsamtes ein grelles Licht auf das Jahr 2011. Bleiben die Bedingungen genau wie im laufenden Jahr, so wird die gesetzliche Krankenversicherung sich mit einem Defizit von mehr als 6,4 Milliarden Euro auseinandersetzen müssen. Bei einer Ausgabensteigerung von fünf Prozent jedoch wird sich eine Finanzlücke von 15 Milliarden Euro auftun. Sollte das mit einer Beitragserhöhung ausgeglichen werden, so müsste der Beitrag um 1,5 Prozent steigen.