Zusatzbeitrag heizt Wettbewerb der Krankenkassen an
Zusatzbeitrag heizt Wettbewerb der Krankenkassen an

Für die entsprechende Studie wurden im August des vergangenen Jahres 750 gesetzlich Versicherte im Alter zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die Befragten machen ganz klar, dass bereits ein kleiner Zusatzbeitrag sie zu einem Wechsel ihrer Krankenkasse veranlassen würde. Ein Grund zum Wechsel wäre für 63 Prozent der Befragten der Zusatzbeitrag, ein mangelhaftes Leistungsangebot würden 40 Prozent abstrafen und für 27 Prozent zählen Service, Erreichbarkeit und Kundenfreundlichkeit zu den wichtigen Kriterien. „Vor allem jüngere und damit tendenziell gesündere Versicherte verlassen ihre Kasse, wenn diese einen Zusatzbeitrag verlangt“, bestätigt Nikolaus Schumacher. Er ist PwC-Partner für Pharmabereiche und das Gesundheitswesen. „Es gehen ausgerechnet die Mitglieder, die für ihre Beiträge vergleichsweise wenige Leistungen beanspruchen, so dass sich die Finanzlage der Kasse schließlich sogar verschlechtern kann.“

Mitgliederschwund durch den Zusatzbeitrag

Seit der Einführung der Zusatzbeiträge waren es die Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen, die die Hauptlast der Mitgliederverluste tragen mussten. Nach den Ergebnissen der Studie liegt das Durchschnittsalter der grundsätzlich Wechselwilligen bei 36 Jahren. Männer stellen mit 63 Prozent den größten Anteil dieser Gruppe. In diesem und im nächsten Jahr werden den meisten Krankenkassen solche Probleme vorerst erspart bleiben, denn durch das erwirtschaftete Finanzpolster werden sie wohl in absehbarer Zukunft ohne zusätzlichen Beitrag auskommen.

Zusatzleistungen schaffen keinen Ausgleich

Wenn sich aber die Finanzlage verschlechtern wird, könnte der Zusatzbeitrag wieder notwendig werden. Es wird den Kassen nichts nützen, wenn sie die finanzielle Belastung der Versicherten durch zusätzliche Leistungen begründen und besser verträglich machen wollen. Wahltarife und Bonusprogramme werden zwar von den Versicherten gerne angenommen, doch zusätzlich zahlen wollen sie dafür nicht. Die Studienteilnehmer wurden gefragt, wie hoch sie zusätzliche Angebote wie Zahnreinigung oder Vorsorgeprogramme vergüten würden. Nur für 56 Prozent wäre das ein Grund, klaglos einen zusätzlichen Beitrag von 2,50 Euro zu zahlen. Schumacher macht die Lage deutlich. Selbst durch günstige Angebote für Zusatzleistungen und Einsparung von Folgekosten „kosten diese Services mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr, als sie beitragsmäßig an Zusatzbeitrag kompensieren können.“

Kostenbegrenzung ist besser als ein Zusatzbeitrag

Die Folgerung aus den Ergebnissen der Befragung ist klar: Die Krankenkassen sollten mit allen Mitteln Zusatzbeiträge vermeiden. Wenn Kostensenkungen nötig werden, so müsste an den Verwaltungsausgaben und auch an gesetzlichen Zusatzleistungen gespart werden. Wenn auch der Abbau von Zusatzleistungen zur Abwanderung von Mitgliedern führen kann, so ist durch die Erhebung eines Zusatzbeitrages mit einem wesentlich höheren Schwund an Mitgliedern zu rechnen.

Wettbewerb wird andere Schwerpunkte haben

Allerdings, so die Autoren der Studie, können finanziell gut aufgestellte Krankenkassen mit Zusatzleistungen im Wettbewerb punkten. Versicherte werden die kostenlosen Leistungen gerne annehmen. Für die Experten bei PwC ändert sich in diesem Jahr die Art und Weise des Wettbewerbs. Es wird nicht mehr so massive Wechselbewegungen geben. Die bisherige preisliche Konkurrenz wird durch den Wettstreit der zusätzlichen Leistungen abgelöst. Nikolaus Schumacher wagt eine Prognose: „Wichtig ist dabei, dass die Leistungen flexibel konzipiert werden, so dass sie schnell angepasst werden können, falls sich die Finanzlage wieder verschlechtert. Dies dürfte ab 2014 der Fall sein.“