Zusatzversicherung muss Alternativmedizin zahlen
Zusatzversicherung muss Alternativmedizin zahlen

Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte über den Fall eines Mannes zu entscheiden, der von einer Wirbelsäulenerkrankung betroffen war. Bei dieser degenerativen Krankheit, die man auch als “Schaufensterkrankheit” bezeichnet, wird das Gehen zunehmend mühsamer und schmerzhafter. Die Betroffenen können immer nur ein kleines Stück gehen und müssen dann stehen bleiben, eben wie bei einem Schaufensterbummel. In sehr schweren Fällen behandelt man die Krankheit mit einer Operation, aber eben nur in seltenen Fällen mit schwerer Schädigung. Die Beeinträchtigung des Klägers war aber noch nicht so stark, so dass andere Maßnahmen in Betracht kamen. Es wurden spezielle Gymnastik-Übungen verordnet, die in Verbindung mit psychologischen Maßnahmen erst nach langer Zeit und mit starkem Durchhaltewillen erfolgreich sein können.

Alternativen

Das Leiden des Klägers konnte jedoch weder durch Medikamente oder Krankengymnastik gebessert, geschweige denn geheilt werden. Der Arzt des Klägers schlug dem Kranken eine stationäre Behandlung vor. Über mehrere Tage hinweg sollten in einem Krankenhaus verschiedene Therapien angewandt werden. Es sollten aber keine schulmedizinischen Anwendungen sein, sondern Methoden alternativer Art. Der Kläger erkundigte sich bei seiner Versicherung nach der Kostenübernahme für die Maßnahmen. Die Versicherung sagte die Kostenübernahme zu, und zwar für die medizinisch notwendigen Behandlungen im Rahmen des stationären Aufenthaltes.

Wirksamkeit nicht bewiesen  

Doch am Ende der Behandlungen gab es Streit zwischen der Versicherung und dem Versicherten. Die Auseinandersetzung drehte sich um die Frage, ob wirklich alle Maßnahmen tatsächlich notwendig waren. Der Versicherer monierte, dass für keine einzige der vorgenommenen Behandlungen Langzeitstudien vorliegen würden, die den Nachweis über die Effektivität der Methoden erbringen würden. Der Arzt des Klägers machte aber klar, dass die beim Kläger angewandte Kathetermethode vielfach in zahlreichen Krankenhäusern durchgeführt wird. Dabei wird ein Katheter in die Wirbelsäule geschoben. Über diesen Katheter werden schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente direkt an die Nervenwurzeln gebracht.

Gleichberechtigung

Die Richter folgten in diesem Punkt den Argumenten des Arztes. Für das Gericht stehen alternative Heilmethoden gleichberechtigt neben schulmedizinischen Behandlungen. Das hat vor allem dann Gültigkeit, wenn es wie in diesem Fall nicht möglich ist, eine Erkrankung in einem bestimmten Stadium effektiv zu behandeln. Eine belegbare Studie, die Erfolge einer alternativen Heilmethode ausweist, ist aber nicht zwingend erforderlich. Es liegt im Wesen der alternativen Medizin, dass solche Belege fehlen, weil sie eben nicht so verbreitet ist.

Durcheinander

Doch auch der Versicherer konnte einen Erfolg verbuchen. Die Richter pflichteten seiner Auffassung bei, dass zunächst nur eine Behandlung ausgereicht hätte. Man hätte dann abwarten können, ob diese eine Therapie angeschlagen hätte oder nicht. Im vorliegenden Fall jedoch wurden drei Behandlungen gleichzeitig ausgeführt. Deshalb muss der Versicherer die Kosten für die beiden nicht so bekannten und verbreiteten Therapien nicht übernehmen. Es kam in diesem Fall erschwerend hinzu, dass der behandelnde Arzt recht hohe Rechnungen ausgestellt hatte. Sogar das Weiterschieben einer Sonde um einen Zentimeter sei als Extraleistung nach der Gebührenordnung abgerechnet worden.

Teilerfolge

Durch diese Besonderheiten wurde die Klage in diesen Punkten abgewiesen. Das hatte zur Folge, dass der Arzt über 80 Prozent der entstandenen Kosten selbst aufbringen muss. Auch der Kläger wurde verpflichtet, von den Kosten des Rechtsstreites 82 Prozent zu übernehmen, denn hatte einen Bevollmächtigten mit seiner Vertretung beauftragt. Das Gericht ließ aber eine Revision zu. (Aktenzeichen 7 U 60/09)