Zuschläge wegen Schwangerschaft sind nicht rechtens
Zuschläge wegen Schwangerschaft sind nicht rechtens

Der Deutschlandfunk berichtete in einem Magazin, dass bei einer Schwangerschaft von der Antragstellerin Risikozuschläge verlangt werden. In einigen Fällen wurden die Bewerberinnen bei der privaten Krankenversicherung sogar nicht aufgenommen. Wenn eine Antragstellerin bereits länger als drei Monate schwanger ist, wird der Antrag auf eine private Krankenversicherung abgelehnt. Als Begründung werden die Kosten angeführt, die für Schwangerschaft und Entbindung anfallen. Auch vorhergehende Fehlgeburten können dazu führen, dass ein Vertrag nur mit Risikoaufschlägen zustande kommt. Die Versicherer behandeln dabei eine Fehlgeburt wie eine Vorerkrankung, doch das ist ein unerlaubter Ansatz. Auch werden nach den Recherchen des Verbraucherschützers Lars Gatschke Schwangerschaftsdiabetes und Schwangerschaftsdepressionen als Vorerkrankungen gewertet, die dann zu höheren Beiträgen führen.

PKV hält solche Probleme für Einzelfälle

Doch Stefan Reker, Pressesprecher des PKV-Verbandes, kann die Problematik in diesen Fällen nicht sehen und hält solche Vorgehensweisen für Einzelfälle. Er hält die Gleichbehandlung von Männern und Frauen für gewährleistet. Bei den Kosten für die Schwangerschaft sei das Fakt, bei den Vorerkrankungen sei die Lage anders. Diese Bedingungen werden für jeden Antrag individuell behandelt und bewertet. Auch nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung müsse man "Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln". Man könne bei Frauen die Vorerkrankungen nicht einfach weglassen.

Unisextarife werden die Prämienlandschaft verändern  

Lars Gatschke, der als Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen arbeitet, sieht die Handlungsweisen der Versicherer eher kritisch. Bisher gelten für Frauen in der privaten Krankenversicherung nicht bei allen Belangen die gleichen Bedingungen wie für Männer. Die Versicherer verlangen von Schwangeren Aufschläge von oft mehr als zehn Prozent. Es habe mit Gleichbehandlung nichts zu tun, wenn ein Leben lang höhere Kosten für die Krankheitsvorsorge gezahlt werden müssen. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes müssen die privaten Krankenversicherer ihre Tarife ab 2012 ändern. "Hier werden sicher ab dem 27.12.2012 die Karten neu gemischt werden, weil dann die private Krankenversicherung nicht mehr nach Geschlecht differenzieren kann", so Gatschke. Das wird dann wohl nicht nur für Neukunden, sondern auch für Bestandskunden gelten.

Gerichtsurteil stützt schwangere Frauen   

Nicht alle Frauen lassen sich aber eine "Sonderbehandlung" gefallen. Vor dem Landgericht Aachen hatte eine Frau geklagt. Ihre private Krankenversicherung hatte einen Risikoaufschlag aufgrund ihrer Schwangerschaft verlangt. Doch die Richter gaben der Frau Recht. Eine Schwangerschaft darf nicht wie eine Krankheit behandelt werden. Die Schwangerschaft selbst sei keine Krankheit, die notwendig folgenden Heilbehandlungen wie zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen, Entbindungskosten und Nachsorgemaßnahmen müssen aber von der Versicherung übernommen werden.

Höhere Beiträge sind unzulässig  

Das Urteil hat mit Sicherheit hohe Signalwirkung und stärkt die Rechte schwangerer Frauen in der privaten Krankenversicherung. Nach dem Urteil ist ein Wechsel in die PKV auch dann möglich, wenn eine Schwangerschaft bereits besteht, das aber noch nicht bekannt ist. Das bedeutet ein Plus an Rechtssicherheit, mehr finanzielle Sicherheit und größre Planbarkeit. Denn nach dem Urteil sind Risikozuschläge aufgrund einer Schwangerschaft nicht erlaubt. (Aktenzeichen 4 O 37/97)