AOK-Regionalchef schlägt mehr finanzielle Anreize für Ärzte vor
AOK-Regionalchef schlägt mehr finanzielle Anreize für Ärzte vor

In vielen Arztpraxen in Deutschland herrscht Fließbandabfertigung. Gespräche mit den Patienten kommen daher viel zu kurz. Abhilfe soll laut Wilfried Jacobs von der AOK Rheinland/Hamburg eine monatliche Praxispauschale schaffen. Anstelle von Arzthonoraren soll sie die finanzielle Attraktivität von Beratungsgesprächen erhöhen, während Laborarbeiten, Röntgen und andere technische Leistungen eher in den Hintergrund rücken. Die Pauschale könne seiner Meinung nach beispielsweise bei 5.000 Euro pro Monat liegen. Je nach laufenden Kosten, der Anzahl der Patienten und den Öffnungszeiten der Praxis könne diese Summe jedoch variieren. Werden in der Praxis Qualitätssicherungsprogramme verwendet, sollen auch diese mit weiteren Zuschlägen honoriert werden.

AOK-Chef fordert praxisabhängige Pauschale für Ärzte

AOK Rheinland/Hamburg Chef Jacobs hat sich für eine Besserstellung der sprechenden Medizin stark gemacht. “Die Ärzte sollten einen Teil des Honorars vorab als Festbetrag erhalten, damit sie mehr Planungssicherheit erhalten”, forderte er gegenüber der “Ärzte Zeitung”. Diese Art von Dauerzuschuss könne je nach Arztgruppe, Praxiskosten und Öffnungszeiten der Praxen unterschiedlich ausfallen.

Forderung nach einem neuen Vergütungssystem

Mit der pauschalen Bezahlung der Ärzte schlägt Wilfried Jacobs eine gänzlich neue Struktur zur Verteilung von Honoraren für niedergelassene Mediziner vor. Nach wie vor würden die Ärzte aber die tatsächlich erbrachten Leistungen abrechnen, betont Jacobs. Dabei sollten sich künftig die Teilnahme an Qualitätsprogrammen und qualitätssichernden Maßnahmen und die Erreichbarkeit für Patienten stärker auf die Höhe der Vergütung auswirken. Das aktuelle Vergütungssystem hält Jacobs hingegen für völlig verfehlt. "Es muss auf den Kopf gestellt werden", fordert er. Gleichzeitig müsse die regionale Komponente bei der Honorarverteilung künftig wieder gestärkt werden.

Ungleiche Honorarverteilung zwischen den Ländern

Ausgangspunkt der Diskussion ist unter anderem das Versorgungsgesetz, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Neben Maßnahmen gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen soll in dem Gesetz die Honorarverteilung teilweise neu geregelt werden. Denn: Momentan herrscht eine ungleiche Verteilung zwischen den Ländern. Tritt das Gesetz in Kraft können die kassenärztlichen Vereinigungen die Honorare nun theoretisch wieder regional aushandeln. Wie das Gesetz jedoch konkret aussehen soll, ist noch unklar.

Kommentare