Bakterien können präventiv gegen Allergien eingesetzt werden
Bakterien können präventiv gegen Allergien eingesetzt werden

Rund jeder dritte Deutsche leidet an einer Allergie. Tierhaare, Pollen oder auch Lebensmittel wie Nüsse, Milch oder Mehl können Auslöser sein. Über 20 Prozent aller Kinder und mehr als 30 Prozent der Erwachsenen haben mit allergischen Reaktionen zu kämpfen. Diese Zahlen hast das Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelt. Auch nach den Angaben des DAAB ist das Risiko bei Kindern für schwere und sogar lebensbedrohliche allergische Reaktionen stark angestiegen. Die Auswirkungen reichen von Hautausschlägen über Darmprobleme bis zu gefährlicher Atemnot. Bis zum heutigen Tag gibt es keine Möglichkeit, den Ausbruch von Allergien zu verhindern. Eine schlüssige Erklärung für den starken Anstieg der Allergien in den westlichen Industrieländern fehlt ebenfalls. Ärzte suchen angestrengt nach neuen Lösungen, um allergische Erkrankungen zu verhindern. Denn auch hier gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen.

Moderner Lebensstil begünstigt Allergien  

Es gibt aber durchaus Hinweise darauf, dass die Zunahme der Allergien mit dem modernen westlichen Lebensstil zusammenhängt. Ein Beweis dafür ist die Entwicklung der allergischen Erkrankungen nach der deutschen Wiedervereinigung.  Anfang der 1990er Jahre war die Zahl der Allergien in den östlichen Bundesländern wesentlich kleiner als im Westen. Inzwischen aber sind offensichtlich mit dem neuen Lebensstil auch die Allergien im Osten ähnlich häufig wie im Westen. Besonders häufig tritt überall der Heuschnupfen auf.

Immunsystem regiert zu heftig  

Das menschliche Immunsystem ist unverzichtbar, wenn es um die Abwehr von Bakterien und Viren geht. Es reagiert auf die unerwünschten Eindringlinge und hält uns gesund. Bei Allergikern verhält sich die Sache ein wenig anders. "Man muss sich das Immunsystem der Allergiker wie eine hyperaktive Polizeimacht vorstellen, die Verbrechen reduziert. Aber mit dem Nachteil, dass sie manchmal auch Unschuldige einsperrt", sagt Torsten Zuberbier, der Sprecher des Allergiezentrums der Charité in Berlin. Um die Unschuldigen zu schützen, hat der Allergologe Harald Renz bereits vor Jahren Untersuchungen durchgeführt. Er fand heraus, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, nur halb so häufig unter Heuschnupfen oder allergischem Asthma leiden. Seiner Ansicht nach sind die Mikroben, die auf den Höfen sehr zahlreich zu finden sind, für den Schutz verantwortlich.

Bakterien als Schutz vor Allergien

Harald Renz sagt, dass diese Mikroben die Gene deaktivieren können, die der Grund für die Allergien sind. Hier könnte die Möglichkeit für neue Ansätze liegen. Nimmt man an, dass der frühe Kontakt mit Bakterien das Immunsystem stärkt und widerstandsfähig macht, so könnte man diese Wirkung zur Vorbeugung nutzen. Man müsse herausfinden, auf welchen Wegen die Mikroben die Gene ausschalten. Dann könne man sie zielgerichtet für die Prävention von Allergien einsetzen. Es ist im Bereich des Möglichen, dass die Bakterien die Darmflora stärken und günstig beeinflussen, sodass Allergien keine Chance haben.

Tierversuche belegen Zusammenhänge  

Im Tierversuch waren Renz und seine Kollegen bereits erfolgreich. Wenn schwangere  Mäuseweibchen bestimmte Keime eingeatmet hatten, so erkrankten ihre Nachkommen weniger häufig an Allergien. Doch genaue Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Forscher wissen noch nicht genau, wie beispielsweise Darmkeime wirken, die das Allergierisiko senken. Bis die Forschung genauere Ergebnisse vorweisen und die richtige Mischung von Bakterien und den Zeitpunkt ihres Einsatzes angeben kann, wird noch viel Zeit vergehen. Bis dahin gibt es nur ein Mittel: Ein Allergiker muss auf die allergieauslösenden Lebensmittel verzichten.