Bald nur noch 50 Krankenkassen?
Bald nur noch 50 Krankenkassen?

Die politischen Rahmenbedingungen begünstigen die Fusionswelle der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kassen sehen außerdem durchaus Vorteile im Zusammenschluss mit anderen Krankenkassen. Außerdem ist es seit Ende 2008 möglich, dass Krankenkassen pleitegehen. Laut der Zeitung „Welt am Sonntag“ könnte sich die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen innerhalb der kommenden fünf Jahre auf 50 reduzieren. Dabei beruft sich die Zeitung auf eine nicht veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Die letzte Fusionswelle hatte erst Anfang 2010 insgesamt 14 Krankenkassen vom Markt gefegt. Weitere Fusionen sind bereits absehbar.

Fusionen ständiger Prozess

Der Prozess der Konzentration auf dem Markt der deutschen Krankenkassen ist kein Phänomen, das auf die vergangenen fünf Jahre begrenzt ist. Seit der Einführung der Krankenversicherung in der jetzigen Form Ende des 19. Jahrhunderts ist der Markt im Fluss. Damals existierten noch über 20.000 Krankenkassen. Innerhalb von 100 Jahren war diese Zahl bis 1998 auf 482 Krankenkassen zusammengeschmolzen. Seit 2007 nimmt die Anzahl der Krankenkassen besonders stark ab: von 362 Versicherungen im Jahr 2007 waren nur noch 218 übrig. Derzeit gibt es 169 gesetzliche Krankenkassen – Tendenz fallend.

Trend zu Großkassen

Die Zusammenschlüsse sind politisch gewollt. Verwaltungskosten sollen eingespart und der Markt homogenisiert werden. Die Krankenkassen fügen sich inzwischen in dieses Erwartungsbild ein. Krankenkassen, die eine Fusion vollziehen, verweisen auf niedrigere Verwaltungskosten, weniger Ausgaben für IT-Infrastruktur und Personal. Daher liebäugeln laut Angaben der „Welt am Sonntag“ bereits die Hälfte der in der Ernst-&-Young-Studie befragten Krankenkassen mit einer Fusion.

Besonders kleinere Betriebskrankenkassen sind dem Fusionsdruck ausgesetzt. Derzeit gibt es laut GKV-Spitzenverband rund 130 betriebliche Krankenkassen. Allein diese Zahl könnte sich in absehbarer Zeit drastisch reduzieren. Aber auch die Großen bleiben nicht verschont. Erst zum Januar 2010 entstand durch die Fusion der Barmer und der Gmünder Ersatzkasse Deutschlands größte Krankenkasse: In der neuen Barmer GEK sind 8,6 Millionen Deutsche versichert. Der bis dahin amtierende Marktführer Techniker Krankenkasse hatte sich Anfang mit der IKK direkt zusammengeschloss

Marktmacht der Krankenkassen

Große Kassen versprechen sich Vorteile bei Preisverhandlungen, etwa mit Krankenhäusern, Pharmaherstellern oder Ärzteverbänden. Je mehr Mitglieder eine Krankenkasse versichert, desto stabiler ist ihre Verhandlungsposition. Die kleineren Kassen können sich zwar zu einem Interessenverband zusammenschließen, doch das ist in der Praxis aufgrund unterschiedlicher Interessen nicht immer leicht.

Die DAK – jetzt schon viertgrößte Krankenkasse – will daher weitere Fusionen nicht ausschließen, so der DAK-PressesprecherJörg Bodanowitz gegenüber dem Ärzteblatt. Die Politik könnte dem Trend zu Megafusionen allerdings bald einen Riegel vorschieben. Einige Politiker fordern, das Wettbewerbsrecht auch auf die Krankenkassen auszuweiten. Dann müssten Fusionen erst vom Kartellamt abgesegnet werden.

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