Darmtypen als Erklärung für Übergewicht und Fettleibigkeit
Darmtypen als Erklärung für Übergewicht und Fettleibigkeit

Übergewicht, Fettleibigkeit oder auch eine starke Gewichtszunahme könnten in Zukunft den Bakterien des Darms angelastet werden. Denn einer aktuellen Studie zufolge lassen sich Menschen entsprechend ihrer Darmflora in drei verschiedene Typen einteilen, die Nahrung mit unterschiedlicher Effektivität umwandeln. Mit den Resultaten können die Forscher möglicherweise erklären, warum manche Menschen, die nur vergleichsweise wenig essen, ständig mit ihren Pfunden zu kämpfen haben. Dagegen können manche Personen essen, was sie wollen ohne sich die Figur zu ruinieren. Ein Indiz dafür ist nämlich eine Bakterienpopulation, die weniger effizient ist und mehr Kalorien bereitstellt als die Keimpopulation bei schlanken Menschen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" veröffentlicht.

Drei verschiedene Darmtypen

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler zunächst Stuhlproben von 39 Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt untersucht. Nach einer ersten Auswertung wurden ungefähr 300 weitere Proben für die Untersuchung hinzugezogen. Dabei stellte das Forscherteam fest, dass der Mensch anhand der Keimpopulation in seinem Verdauungstrakt einem von drei unterschiedlichen Darmtypen zugeordnet werden kann.

Unterschiedliche Nahrungsverwertung durch Darmbakterien

Diese Darmtypen bestimmen nach Aussage der Studienautoren die jeweilige Verarbeitung aufgenommener Nahrung. Die drei Typen des Darms seien unterschiedlich effizient. Das könnte erklären, "warum sich die Aufnahme von Nährstoffen und Medikamenten von Mensch zu Mensch unterscheidet", sagte Jeroen Raes von der Vrije Universiteit Brussel. Umso effektiver die Darmbakterien der jeweiligen Keimpopulation die Nahrung in Energie umwandeln, desto höher ist die mit dem Essen aufgenommene Energiezufuhr und das Risiko von Übergewicht. 

Ähnlichkeit mit Blutgruppen

"Wir haben entdeckt, dass die Zusammensetzung der Mikroben im menschlichen Darm nicht zufällig ist", erklärte Peer Bork vom Europäischen Laboratorium für Mikrobiologie. Ähnlich wie die Blutgruppe bilde der Darm ein individuell stabiles Merkmal, auch wenn die Abgrenzung untereinander nicht so einfach ist wie bei den Blutgruppen, so der Wissenschaftler weiter. 

Weitere Forschung erforderlich

Mithilfe der Studie könnten vor allem neue Ansätze zu individuellen Therapien für Patienten geschaffen werden. Beispielsweise könnte die Behandlung und Dosierung der Medikamente je nach Darmtyp bestimmt werden, erläutern die Autoren. Wie sich die jeweiligen Keimpopulationen im Darm entwickeln und warum drei grundsätzlich unterschiedliche Darmtypen als Ergebnis dabei herauskommen, konnten die Forscher im Rahmen ihrer Studie allerdings nicht klären.