Das Hustentelefon liefert eine erste Diagnose
Das Hustentelefon liefert eine erste Diagnose

Das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie IDMT hat in Zusammenarbeit mit dem Pharmahersteller Boehringer Ingelheim das System entwickelt. Stefan Goetze ist bei der Fraunhofer Projektgruppe Oldenburg für das Hustentelefon verantwortlich. "Wir haben einen PC mit dem Telefonservice  verbunden, auf dem das Erkennungsprogramm installiert ist." Dieses Programm analysiert den Husten des Anrufers durch verschiedene Kennzeichen. "Diese Merkmale haben wir im Vorfeld durch viele verschiedene Hustenaufnahmen ermittelt." Durch den Vergleich der Signale des Anrufers mit den gespeicherten Aufnahmen wird der Husten eingeordnet. So kann dem Anrufer mitgeteilt werden, mit welcher Art des Hustens er es  vermutlich zu tun hat. Das System kann grob einschätzen, ob der Anrufer einen trockenen Reizhusten, produktiven verschleimten Husten oder aber einen nicht klar einzuordnenden Husten hat.

Husten Sie ins Telefon

Wenn man also den Husten nicht genau bestimmen kann und eine erste Einschätzung haben möchte, kann man von November bis März zum Telefon greifen und das Hustentelefon unter der Nummer 0800/0007178 gebührenfrei anrufen. Eine freundlich Stimme fordert den Anrufer auf, aus ungefähr 30 Zentimetern Entfernung mehrmals in den Telefonhörer zu husten. Das System benötigt ungefähr anderthalb Minuten, um den Husten zu analysieren und zu vergleichen. Danach teilt die Telefonstimme dem Anrufer das Ergebnis mit.

Erste Hilfestellung für Hustengeplagte 

Der Husten kann ein Symptom für viele Krankheiten sein. Im Winter geht er in den meisten Fällen mit Erkältungen einher. Mit dem Husten versucht der Körper, sich durch den ausgehusteten Schleim zu reinigen. Das ist ein eher positiver Prozess. Anders sieht das bei einem trockenen Reizhusten aus. Hier kann es kompliziertere Ursachen geben. In solchen Fällen ist eine genaue ärztliche Untersuchung zur Klärung unerlässlich. "Oftmals wissen Betroffene nicht, unter welcher Art von Husten sie leiden und greifen zum falschen Arzneimittel", sagt Jean Bouvain. Er ist Marketingleiter bei Boehringer Ingelheim. "Mit der telefonischen Hustenerkennung in Echtzeit bieten wir Betroffenen eine Hilfestellung zu ersten Einschätzung bei der Hustenklassifizierung."

Silometer ist kein Ersatz für den Arzt oder Apotheker

Im vergangenen Jahr war der Start des Hustentelefons äußerst erfolgreich. Rund 30.000 Anrufer nutzen das Angebot. Deshalb soll der Silometer auch in diesem Jahr eingesetzt werden. Wichtig aber ist vor allem, dass ein Anruf beim Hustentelefon den Arztbesuch oder die Beratung in der Apotheke niemals ersetzen kann. Für eine definitive Einordnung des Hustens ist natürlich der Arzt zuständig. Der Silometer kann nur eine erste Hilfestellung bieten. Die Unterscheidung, ob ein Husten trocken oder produktiv, durch eine harmlose Erkältung oder ein ernstes Problem entstanden ist, kann letztlich nur in der Arztpraxis stattfinden. Von der entsprechenden Diagnose ist die Art der Behandlung abhängig.

Kritik am Hustentelefon

Auch bei einem Anruf beim Silometer weist die Telefonstimme auf die Unverzichtbarkeit eines Arztbesuches hin. Aber trotzdem gibt es auch Kritik am Silometer. Für Heinz Jarmatz, den Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Niedersachsen, führt das Hustentelefon verstärkt zur Eigendiagnostik der Anrufer. "Ich halte das Hustentelefon für eher problematisch, da die Hustencharakteristik zu sehr von verschiedenen Faktoren wie Alter, Gewicht, Geschlecht abhängt und sich ständig ändert."

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