Händehygiene
Der umstrittene Wirkstoff Triclosan ist in vielen Seifen enthalten. © panthermedia.net / sam741002

Ein häufig genutztes Werbeversprechen der Hersteller: Diese Seife entfernt 99,9 Prozent aller Bakterien. Dennoch enthalten viele der Produkte einen Wirkstoff, der schon länger als umstritten gilt: Triclosan. Forscher fanden heraus, dass der Wirkstoff seinem Namen nicht gerecht wird. In den Dosen, die in Seifen verwendet werden dürfen, zeigt er sogar kaum Wirkung.

Min-suk Rhee und die Forschergruppe der Korea University setzten für das Experiment 20 Bakterienstämme für genau 20 Sekunden einer Seifenlösung aus, die 0,3 Prozent Triclosan enthielt. Dieses Zeitintervall wählten sie deswegen aus, da dies der ungefähren und durchschnittlichen Zeit des Händewaschens entspricht. Der Versuch wurde sowohl bei 22 Grad als auch bei 40 Grad durchgeführt und zeigte ein erstaunliches Ergebnis: Die Triclosan-Lösung hatte in beiden Fällen keinen besseren Effekt als eine gleiche Lösung ohne Triclosan. Erst nach einer Einwirkzeit von neun Stunden zeigten sich erste Unterschiede. Daraufhin wurden 16 gesunde Erwachsene gebeten, sich mit einer der beiden Lösungen die Hände zu waschen. Die Anzahl der Bakterien wurde in beiden Fällen gleichermaßen reduziert. Zwar haben Lösungen, die eine höhere Konzentration besitzen, zum Beispiel zwischen 0,45 und 2,0 Prozent Triclosan, einen deutlichen Effekt in Sachen Bakterien, dennoch gibt es hierbei einen Haken: In vielen Staaten dürfen solche Seifen nicht mehr verwendet werden.

Antibakterieller Wirkstoff unter Verdacht

Triclosan steht schon lange unter dem Verdacht, der Gesundheit zu schaden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung forderte bereits im Jahr 2006, dass antibakterielle Wirkstoffe, wie beispielsweise Triclosan, aus der Desinfektion in Praxen und Krankenhäusern verschwinden sollten. Es befürchtete die Förderung der Resistenzentwicklung von Bakterien. Zudem sind Bakterien nicht nur schlecht: In bestimmten Fällen kann man sie präventiv gegen Allergien einsetzen.

Schädliche Einflüsse auf die Umwelt

Triclosan ist in vielen Kosmetika, Kleidungsstücken und Reinigungsmitteln enthalten und kann sogar Folgen für die Umwelt haben. Laut Umweltbundesamt ist es schädlich für Algen. Ein Abbaustoff von Triclosan reichere sich dementsprechend in Fischen an, die sich von Algen ernähren. Eine weitere Studie des Bundesinstitutes für Risikobewertung kam 2014 zu der Erkenntnis, dass antimikrobielle Stoffe auch in Haushaltsreinigern komplett überflüssig sind, da Risiken durch Mikroorganismen in einem Haushalt, der regelmäßig gereinigt wird, nicht zu befürchten sind. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel ließ verlauten, dass es keine neuen Erkenntnisse gebe, die die Anwendung von Triclosan in kosmetischen Mitteln infrage stellen könnten. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass nicht alle Fest- und Flüssigseifen, die als „antibakteriell“ ausgeschrieben sind, auch zwangsläufig Triclosan enthalten.