Joggen ist gesund - ohne Laufschuhe noch viel gesünder
Joggen ist gesund - ohne Laufschuhe noch viel gesünder

Die neusten Modelle der Laufschuhe sind schon fast High-Tech-Produkte. Sie sind auch nicht gerade billig, so dass so mancher Jogger von der Nützlichkeit eines solchen Schuhwerkes vollkommen überzeugt ist. Beine, Füße und Knie sollen so vor den Belastungen beim Laufen geschützt werden. Doch ein amerikanisches Forscherteam an der Universität von Virginia hat nun etwas ganz anderes herausgefunden. 68 Sportler liefen für die Wissenschaft auf einem Laufband, alle in gesundem Zustand. Die Wissenschaftler ließen die Sportler sowohl mit als auch ohne Schuhe laufen. Alle Teilnehmer des Versuches trugen den gleichen Laufschuh. Die Läufer bekamen Reflektoren, damit eine Hochgeschwindigkeitskamera ihre Bewegungen aufzeichnen konnte. Mit Hilfe dieser Daten wurden dann die Kräfte berechnet, die auf die Gelenke einwirken.

Stress für die Gelenke

Das eher überraschende Resultat: Die Gelenke an Hüfte, Knie und Fuß waren sehr viel stärker beansprucht, wenn die Sportler mit Schuhen unterwegs waren. Nach diesen Berechnungen war die Belastung höher als bei einem Spaziergang auf hochhackigen Pumps. Die Hüfte wird mit Laufschuhen im Durchschnitt zu 54 Prozent mehr strapaziert als beim Laufen auf nackten Füßen. Die Knie mussten mit Schuhwerk  rund 37 Prozent höhere Belastungen aushalten als beim Laufen ohne Schuhe. Einzig der Fuß bekommt nach diesen Untersuchungen guten Halt durch die modernen Sport- und Trainingsschuhe. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Journal of Injury, Function and Rehabilitation“ veröffentlicht.

Falscher Schutz

Die Hersteller der modernen Schuhe haben stets auf die stützenden und dämpfenden Eigenschaften ihrer Modelle hingewiesen. Nun machen nach Ansicht der Wissenschaftler wohl geraden die stark stützenden Teile dieser Schuhe die größten Probleme. Vermutlich ist der höhere Absatz und auch die Stützfunktion unterhalb des Fußes verantwortlich für die negativen Auswirkungen. Es gibt diverse Systeme zur Dämpfung an der Ferse eingebaut, auch soll eine „Pronationsstütze“ für die Stabilität des Fußes sorgen. Doch die Forscher sind von der Wirksamkeit dieses Schuhaufbaus nicht überzeugt. Geoffrey Keenan bemängelt, dass keinerlei wissenschaftliche Beweise über die Nützlichkeit dieser Schuhkonstruktion vorliegen. Deshalb müssen unbedingt neue Schuhe entwickelt werden, die zwar weiterhin den Fuß stützen, die Gelenke aber schonen.  

Bekannte Mängel

Es ist auch keine völlig neue Erkenntnis, dass Jogger ihre Gelenke falsch belasten. Sportmediziner haben häufig mit den Folgen dieser Fehlbelastungen zu tun. Viele Probleme werden auch durch die falschen Bewegungsabläufe von Joggern ausgelöst, denn so mancher läuft zu sehr auf seiner Ferse. Die professionellen Kollegen der Feizeitjogger laufen eher auf dem vorderen Fußbereich und vermeiden so Schwierigkeiten an den Knien. Es gibt bereits Versuche mit Schuhmodellen ohne Absatz an der Ferse. So wird der Lauf auf dem gesamten Fußbereich unterstützt.

Gegenwind

Doch gibt es auch Bedenken gegen die Forschungsergebnisse aus den USA. Für Dr. Stephan Odenwald von der Technischen Universität Chemnitz weist die Studie Schwächen auf. Man müsse die Angaben und Messergebnisse vorsichtig betrachten. „Auf dem Laufband bewegen sich Sportler erwiesenermaßen anders als auf festem Grund“ gibt er zu bedenken. Es sei auch festzustellen, dass es bereits Änderungen in die richtige Richtung gebe. Die Hersteller haben offensichtlich die Schwierigkeiten mit den gedämpften Schuhen registriert und fangen an, die Höhe der Absätze zu verringern. Der Trend gehe zum „Natural running“. Dr. Stephan Odenwald ist aber skeptisch, ob eine allgemeingültige Lösung möglich ist. „Den einen Schuh für alle gibt es nicht.“                                          

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