"Science" wählt Aids-Medikamente zum Durchbruch des Jahres

Als "Durchbruch des Jahres" bezeichnet das amerikanische Fachjournal "Science" eine Studie über den zweifachen Nutzen moderner Aids-Mittel. Unter dem Namen „HPTN 052“ wurde bereits im Jahr 2005 die Untersuchung gestartet. Man hatte schon länger vermutet, dass die sogenannten antiretroviralen Medikamente (ARV) zweierlei Stoßrichtungen haben. Zum einen sollen sie die Infektionen behandeln und den Ausbruch der Krankheit verzögern, zum anderen aber auch neue Ansteckungen verhindern. Bis zu der Studie waren das aber nur Vermutungen. Doch die Untersuchungen eines internationalen Teams in neun Ländern an 1.763 heterosexuellen Paaren, von denen ein Partner HIV-positiv war und der andere nicht, brachte Anfang 2011 den Beweis. Obwohl die Studie bis zum Jahr 2015 laufen sollte, wurde sie vorzeitig abgebrochen, denn es gab keinerlei Zweifel mehr an der doppelten Wirksamkeit der neuen Medikamente gegen Aids.

Medikamente verringern Infektionen

Die Paare wurden über Verhütungsmittel aufgeklärt und bekamen kostenlos Kondome. Die Hälfte der Infizierten wurde mit Aids-Mitteln behandelt, die andere Hälfte nicht. Das sensationelle Ergebnis: 28 der gesunden Studienteilnehmer hatten sich angesteckt, 27 davon waren der Gruppe ohne Medikamente zugeteilt. Es war eindeutig, dass die Medikamente das Risiko einer Infektion um 96 Prozent gesenkt hatten. Die Ursache für diese erfreuliche Erkenntnis: Die Medikamente können die Zahl der Viren im menschlichen Körper reduzieren. So wird die Gefahr einer Ansteckung geringer.

Kein Grund zur Sorglosigkeit

Für Experten und die Gesundheitsorganisationen waren die Ergebnisse der Studie ein Wende, eine fundamentale Entwicklung. Der oberste Aidsberater der amerikanischen Regierung machte klar, dass es keine "Spannung zwischen Behandlung und Therapie" mehr geben könne, denn "Behandlung ist Vorbeugung". In einem Kommentar warnt die Zeitschrift jedoch vor übertriebener Euphorie. Es sei immer noch möglich, dass Viren resistent werden können und so die Medikamente keine Wirkung mehr haben. Auch mache das Ergebnis einer anderen Studie an homosexuellen Männern nachdenklich. Dabei war die Gefahr einer Ansteckung nur um 44 Prozent gesunken. Die Medikamente können nur als wichtiger Teil einer kombinierten Therapie sein. Weiterhin seien Kondome, die Beschneidung bei Männern, wenige Sexualpartner und saubere Nadeln für Drogenabhängige Bestandteil der Prävention.

Erbe aus der Vorzeit

Als weiteren Meilenstein nennt "Science" die Vergleiche des genetischen Codes des modernen Menschen mit dem seiner uralten Vorfahren aus Asien und Afrika. Wissenschaftler konnten herausfinden, dass noch in vielen heutigen Menschen das Erbgut unserer archaischen Vorfahren zu finden ist. Durch die vergleichenden Analysen vermuten die Forscher, dass unser Immunsystem bis auf den heutigen Tag von den uralten Strukturen beeinflusst wird.

Erfolg im Kampf gegen Malaria

Der Kampf gegen die Malaria hat im fast vollendeten Jahr 2011 ebenfalls eine entscheidende Wende erfahren. In Seattle wurde anlässlich einer Konferenz ein neuer Impfstoff mit der Bezeichnung RTS,S vorgestellt. In sieben afrikanischen Ländern hatten über 15.000 Babys und Kinder an der Studie teilgenommen. Mit dem Impfstoff ist es offensichtlich möglich, das Risiko einer schweren Malaria um rund die Hälfte zu senken. Wenn auch noch viele Dinge wie die Dauer des Schutzes oder die Kosten für den Impfstoff nicht geklärt sind, so ist doch ein vielversprechender Anfang gemacht.