Sechsjährige kämpft um ihr Leben nach Masernerkrankung
Sechsjährige kämpft um ihr Leben nach Masernerkrankung

Für das kleine Mädchen gibt es vermutlich keine Rettung mehr. Mit sieben Monaten hatte sich das Kind bei einem Erwachsenen mit Masern infiziert. Nach fünf Jahren haben sich die Spätfolgen der Viruserkrankung gezeigt, denn das Kind leidet an einer nicht heilbaren Gehirnentzündung. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) teilte am vergangenen Montag mit, dass das Kind in einem Aschaffenburger Krankenhaus liege und vermutlich keine Chance auf Genesung habe. Im Oktober war bereits ein dreizehnjähriges Mädchen gestorben. Nach Angaben des BVKJ leidet noch ein Kind an der SSPE, der Subakuten Sklerosierenden Panenzephalitis. Auch im Jahr 2007 sei ein Kind an den Folgen der Masern verstorben. Verbandssprecher Sean Monks machte deutlich, dass die Häufigkeit von Spätfolgen einer Maserninfektion offensichtlich viel höher sei, als das Robert-Koch-Institut (RKI) bisher angegeben habe.

Zahl der Infektionen verdoppelt 

Auf der Grundlage der letzten Ereignisse fordern die Ärzte alle nach 1970 geborenen Erwachsenen auf, generell ihren Impfschutz zu überprüfen und gegebenenfalls auffrischen zu lassen. Das gilt vor allem für die Masernimpfung. Der Fall des Aschaffenburger Mädchens zeigt die dringende Notwendigkeit. Säuglinge dürfen erst vom 11. Lebensmonat an gegen Masern geimpft werden. Doch auch die Zahl der Erwachsenen, die an Masern erkranken, hat sich stark erhöht. Waren es im Jahr 2010 noch 623 Fälle, so haben sich im laufenden Jahr bereits 1.571 Erwachsene mit Masern infiziert.

Impfrate in Deutschland zu niedrig

So können Erwachsene, die nicht geimpft sind, eine tödliche Gefahr sein. Die Erreger der Masern sind hochansteckend. Die Krankheit ist eine der gefährlichsten Infektionen, die aber mit einer Impfung zu verhindern wäre. In Deutschland aber ist die Impfmüdigkeit groß. In jedem Jahr stecken sich zwischen 800 und 1.000 Menschen mit Masern an. Das ist umso bedenklicher, weil selbst in einer ganzen Reihe von Entwicklungsländern die Impfraten höher sind. Um Erkrankungen durch Viren auszurotten, müssen 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. In Nord- und Südamerika sind die Impfraten recht hoch. Dort sind seit acht Jahren keine Infektionen mit Masern mehr aufgetreten. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO und das RKI mitteilte, werden in Deutschland nur rund 80 Prozent der Kleinkinder geimpft.

Konsequenz im Kampf gegen Masern nötig

Die Zahlen der Infektionen machen die Tatsachen deutlich: Im Jahr 2008 starben weltweit 164.000 Menschen nach einer Maserninfektion. Wenn auch in Deutschland die Erkrankung selbst in den meisten Fällen eher leicht verläuft, so bleibt doch das hohe Risiko von Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnhautentzündungen bestehen. Für Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ, ist das größte Problem für die schlechten Impfraten in Deutschland die Vergesslichkeit. Liegt die Impfrate bei der ersten Masernimpfung noch bei 90 Prozent, so denken nur noch 79 Prozent der Eltern an die Zweitimpfung nach acht Wochen.

Gefahr durch Masern wird verharmlost  

Die WHO nennt weitere Gründe, warum noch immer weltweit an jedem Tag 450 Menschen durch Masern sterben, vor allem Kinder unter fünf Jahren. Es fehlt oft an geschultem Personal. In vielen Ländern ist es ein Problem, die Impfstoffe zu kühlen. Vor allem aber sehen viele Menschen die Masern als harmlose Kinderkrankheit an. Doch das ist mit Sicherheit falsch. Der Fall des kleinen Mädchen in Aschaffenburg spricht eine deutliche Sprache.

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