Stiftung Warentest: Schlechtes Zeugnis für Online-Arzt DrEd
Stiftung Warentest: Schlechtes Zeugnis für Online-Arzt DrEd

Seit November 2011 gibt es die Online-Praxis DrEd mit Sitz in London auch für deutsche Patienten. Beworben wurde die virtuelle Praxis mit einer Diagnose "ohne Termin, ohne Praxisgebühr, ohne Parkplatzsuche oder Wartezimmer" gibt. Der Online-Arzt ist 24 Stunden täglich erreichbar. Allerdings finden die möglichen Untersuchungen aus der Ferne statt. Kontakt zum Online-Arzt findet natürlich nicht statt, und auch die Sprechstunden gibt es nur zu bestimmten Themen. So können heikle Themen wie Impotenz, die Pille, Haarausfall oder auch Problemen im Genitalbereich mit Foto angesprochen werden. Der Patient schildert sein Problem nicht mit eigenen Worten, sondern muss vorgefertigte Formulare ausfüllen. Das Portal ist nur für Selbstzahler eingerichtet worden, die eine Behandlungsgebühr zwischen 9 und 29 Euro und auch die verordneten Medikamente zahlen müssen. Stiftung Warentest hat den Internet-Arzt genauer unter die Lupe genommen.

Voreilige und nicht gesicherte Diagnose

Eine Testerin klickte die Sprechstunde für Blasenentzündung an. Es erschien sofort ein Fragebogen, auf dem die Patientin die üblichen Symptome wie Brennen, Stechen sowie schmerzhaftes und häufige Wasserlassen angab. Auch kreuzte sie das Symptom "Blut im Urin" an. Sie ließ die Erscheinungen für ein schweres Krankheitsbild wie Fieber und Schmerzen an den Seiten aus und beschränkte sich auf allgemeine Symptome. Nach weiteren Gesundheitsfragen und der Registrierung wurde der Testerin nach sieben Minuten das Rezept für ein Antibiotikum angeboten. Dieses Vorgehen ist völlig verantwortungslos, so Warentest. Blut im Urin kann auf Nierensteine und sogar auf einen Tumor hindeuten. Zumindest hätte ein Urintest zur Absicherung der Diagnose durchgeführt werden müssen.

Gefährliche Lügen werden nicht durchschaut

Eine angebliche Infektion mit Chlamydien wurde ähnlich unseriös behandelt. Zunächst behauptete der Patient, er habe mit gelblichem Ausfluss und brennenden Schmerzen beim Wasserlassen ähnliche Symptome wie bei einer vorhergehenden Infektion. Der Online-Arzt verwies die Testperson an den Hausarzt oder einen Urologen, bot aber auch die Zusendung eines Testes an. Nach rund drei Stunden behauptete der Tester, er habe sich einen Test besorgt, der positiv gewesen sei. Das aber war eine dreiste Lüge. Der Arzt aber akzeptierte die falsche Aussage und stellte dem Patienten eine Rezept für eine Antibiotikum aus. Zur Information: Eine Infektion mit Chlamydien kann zu Unfruchtbarkeit bei Frauen und bei Männern zur Entzündung der Nebenhoden führen. Man kann beim Online-Arzt also lügen, und genauere Untersuchungen finden nicht statt.

Schlechte Diagnose und langes Warten auf das Rezept

Zwar sind die Medikamente richtig verordnet und die Daten der Patientenakte fachlich richtig. Die Diagnose aber ist fragwürdig, denn die geschilderten Symptome hätten auch zu anderen Krankheiten gepasst. Zudem gab es Versäumnisse und Nachlässigkeiten. Das Rezept mit dem Medikament zur Behandlung der Blasenentzündung kam nach drei, das Rezept gegen die Chlamydieninfektion nach fünf Tagen. Das ist recht spät, vor allem für die schmerzhaften Entzündungen und Infektionen.

Online-Praxis ist juristisch fragwürdig

Nach einem Rechtsgutachten handelt DrEd in einer rechtlichen Grauzone. In Deutschland dürfen Mediziner sich nicht ausschließlich auf eine Ferndiagnose stützen, in England ist das dagegen erlaubt. Die freie Arztwahl in Europa macht es möglich, dass auch deutsche Patienten den Online-Arzt konsultieren dürfen. Bei falscher Diagnose und Behandlung müsste der Online-Arzt in London verklagt werden. Ob eine solch aufwändige Klage Erfolg verspricht, bleibt fraglich. Für die Stiftung Warentest gibt es nur eine Konsequenz aus den Testergebnissen: "Reale Patienten gehören nicht in eine virtuelle Arztpraxis".