Kinder
80 Prozent der Flüchtlingskinder sind krank © panthermedia.net / Josef Muellek

Auch viele Kinder sind unter den Flüchtlingen, die aus Syrien nach Deutschland kommen. Sie benötigen dringend medizinische Versorgung. Eine erste Studie von Münchner Medinzinern unter syrischen Kindern gibt ein erstes Abbild der gesundheitlichen Situation. Die ersten Erkenntnisse zeigen: Ein Drittel der Kinder leidet an seelischen Krankheiten. 

Medizinische Hilfe ist dringend notwendig

Am Dienstag, dem 2. September, wurde im Vorfeld des beginnenden Kinder- und Jugendärztekongresses 2015 in München eine Studie vorgestellt, die zeigt, wie nötig die gesundheitliche Hilfe für die jungen Flüchtlinge ist. Demnach seien über 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus Syrien, die nach Deutschland geflohen sind, von einer körperlichen Krankheit betroffen. Bei 10 Prozent der Kinder bestehe sogar akuter Behandlungsbedarf. Für die Studie wurden 100 minderjährige syrische Flüchtlinge von Ärzten untersucht. Neben körperlichen Beeinträchtigungen sind auch psychische Probleme eine Folge des Krieges. 22 Prozent leiden unter einer post-traumatischen Belastungsstörung (PTBS) und 16 Prozent unter einer Anpassungsstörung.

Sehr oft Karies und Belastungsstörung

Die körperlichen Erkrankungen können ganz unterschiedlich aussehen. 63 Prozent der Kinder leiden unter Karies. 42 Prozent weisen einen defizitären Impfstatus auf, während jedes vierte der minderjährigen Flüchtlinge unter Atemwegserkrankungen leidet. Auch infektiöse und parasitäre Erkrankungen wurden bei 11 Prozent diagnostiziert. 60 Prozent der minderjährigen Flüchtlinge waren mehr als zehn Monate auf der Flucht. Viele erreichten ohne Begleitung die deutschen Aufnahmezentren.

Volker Mall vom kbo-Kinderzentrum in München und Lehrstuhlinhaber für Sozialpädiatrie an der TU München macht als Ursache für den Zustand die Beweggründe für die Flucht aus. Er forderte ein standardisiertes Früherkennungsuntersuchungssystem, speziell für Flüchtlingskinder. Eine hohe Gefahr sieht er in der posttraumatischen Belastungsstörung. Mall: „Da die zugewanderten Kinder viel durchgemacht haben, sind wohl die meisten von ihnen posttraumatisch sehr stark belastet.“ Jedoch wies er ebenfalls darauf hin, dass die Diagnose für psychische Erkrankungen, etwa von posttraumatischen Belastungsstörungen, oftmals bei den Erstaufnahmeeinrichtungen noch nicht gestellt werden kann.

Die medizinische Versorgung der Flüchtlingskinder soll auch zum Thema der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin werden, die aktuell in München stattfindet.