TK: Leiharbeiter sind häufiger krank als Festangestellte
TK: Leiharbeiter sind häufiger krank als Festangestellte

Zeitarbeit macht krank: Aufgrund des unsicheren Arbeitsplatzes und daraus resultierender Existenzängste leiden immer mehr Leiharbeiter an psychischen Erkrankungen. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) schlägt sich dies auch in den Fehltagen der Arbeiter nieder: Wie die Krankenkasse mitteilte, fehlte 2010 jeder Leiharbeiter in Deutschland durchschnittlich 15 Tage krankheitsbedingt. Festangestellte fielen demgegenüber im Schnitt nur 11,5 Tage im Jahr aus. In der Regel müssten Zeitarbeiter die schwersten Arbeiten verrichten und wären demzufolge auch öfter krank als Festangestellte. Laut der Statistik der Kasse hätten unter den Männern Rohrinstallateure den schwersten Job, unter den Frauen führen dagegen die Werbefachangestellten und Lagerarbeiterinnen die aktuelle Statistik der Hamburger Krankenkasse an.

Ursache liegt in Zeitarbeit selbst

Als Hauptursache für die höheren Fehlzeiten nennt die gesetzliche Krankenkasse die oftmals körperlich anspruchvollen Arbeiten der Leiharbeiter, die erfahrungsgemäß mit mehr Fehlzeiten einhergehen. Zu einem Drittel liege die Ursache aber in der Zeitarbeit selbst. Arbeitsplatzunsicherheit, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, die Wechsel der Einsatzorte und die Entlohnung auf der Basis von Mindestlöhnen gingen offenkundig “auf die Nerven und auf die Knochen”, heißt es weiter.

Leiharbeiter: Psychische Leiden nehmen zu

Auch die Diagnosen der Ärzte spiegeln diese Ausführungen wider: Muskel-Skelett-Erkrankungen wurden hierbei am häufigsten diagnostiziert. Sie verursachten 2010 pro Zeitarbeiter 3,4 Fehltage. Auch psychische Störungen oder gar Erkrankungen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Im letzten Jahr meldete sich jeder Leiharbeiter ungefähr zwei Tage im Jahr wegen psychischer Probleme krank. Innerhalb von zwei Jahren stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen sogar um zwölf Prozent. Im Berufsvergleich hatten bei den Männern Rohrinstallateure (21,9 Tage), Schlosser (19,1 Tage) und Elektromonteure (18,7 Tage) die meisten Fehltage pro Jahr. Unter den zeitarbeitenden Frauen fehlten Werbefachfrauen (19,5 Tage), Lagerarbeiterinnen (19,1 Tage) und Buchhalterinnen (18,2 Tage) am meisten aus Gesundheitsgründen.

Gesetzlicher Mindestlohn seit Mai 2011

Seit Mai 2011 gelten für Zeitarbeiter zudem gesetzliche Mindestlöhne. In den alten Bundesländern sind dies 7,79 Euro Stundenlohn und in den neuen 6,65 Euro Lohn pro Stunde. Trotz des vergleichsweise schlechten Rufes ist Zeitarbeit heute gefragter denn je: Mitte 2010 waren bundesweit rund 806.000 Arbeitssuchende an Betriebe entliehen, so die TK. Die Unternehmen nutzen die Leiharbeit für kurzfristige Aufträge und Projekte, für die befristeten Angestellten selbst, ist es meist nur eine Notlösung aus der Arbeitslosigkeit.