Bisher kommt es nur relativ selten vor, dass neue Motorräder mit ABS ausgestattet sind. Etliche Modelle sind mit dieser Sicherheitsausstattung gar nicht erst verfügbar – und die Fahrzeuge, die mit ABS erhältlich sind, kosten deutlich mehr. Je nach Hersteller und Modell beläuft sich der Aufpreis auf einen Betrag zwischen 600 und 1.000 Euro. Zudem halten es längst nicht alle Motorradfahrer für erforderlich, mit ABS unterwegs zu sein.

Dabei ist der gebotene Nutzen enorm. Wie die schwedische Straßenbehörde Vägverket ermittelt hat, könnten zahlreiche Unfälle verhindert werden und zugleich ließe sich das Todesrisiko deutlich verringern. Bis zu 48 Prozent aller Motorradunfälle mit Todesfolge könnten aufgrund von ABS verhindert werden. Und auch der ADAC spricht sich für das ABS am Motorrad aus. Dort geht man davon aus, dass in Deutschland rund 160 Todesfälle pro Jahr verhindert werden könnten – und mehr als 6.000 Unfälle mit Verletzungen.

Auch bei den EU-Politikern scheint man über diese Zahlen Bescheid zu wissen. Wie der heise Verlag schreibt, wird in einer EU-Kommission darüber diskutiert, eine europaweite ABS-Pflicht für Motorräder einzuführen. Der Verlag beruft sich auf den ABS-Produzenten Bosch, der über derartige Pläne informiert wurde. Laut Bosch könnte eine entsprechende Verordnung bereits im nächsten Jahr verabschiedet werden. Demnach müssten alle neuen Motorräder ab Werk mit ABS ausgestattet sein, sofern eine Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr angedacht ist. Die verbindliche Umsetzung für die EU-Mitgliedstaaten muss jedoch nicht umgehend erfolgen. Dem aktuellen Stand zufolge soll die Verordnung erst sechs Jahre nach Verabschiedung, also 2017, in Kraft treten.