LKW
Versuch zum Einsatz der Lang-LKW wird ausgeweitet © panthermedia.net / Péter Gudella

Gigaliner, EuroCombi, Lang-LKW oder Ecocombi – all diese Namen beschreiben ein Prinzip: Überlange LKW, die mit 6,5 Metern das bisher zulässige Maß von 18,75 Metern überschreiten. Während die Boliden in anderen Ländern wie Finnland und Schweden bereits unbegrenzt im Einsatz sind, zeigt sich das deutsche Verkehrsministerium noch verhalten. Eine Freigabe der LKW in Überlänge bleibt noch aus, lediglich das Testgebiet wurde erweitert: Die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zeigten sich nach zwei Jahren der Testphase in anderen Bundesländern, auf Drängen der Industrie nun bereit dafür.

Das Für und Wider der Gigaliner

Schon bevor die ersten Riesen im Jahr 2012 in das Asphaltmeer deutscher Autobahnen stachen, war die Kritik groß. Dabei war die Idee nobel: Ein Gigaliner soll drei übliche LKW ersetzen und somit die Umwelt und Infrastruktur entlasten. Kritiker sehen weniger positives als mehr Vorteile für andere Riesen: Großkonzerne.

Die Befürworter

Große Unternehmen wie zum Beispiel die Daimler AG befürworten das Prinzip und sind Hauptinitiatoren für die Einführung. Vorteile seien, wie schon angesprochen, die Entlastung der Straßen. Das, was vorher auf mehrere Fahrzeuge aufgeteilt wurde, könne nun mit einem transportiert werden. Auch Bauteile in Überlänge wären dann nicht mehr vom Transport auf der Straße ausgeschlossen. Vor allem für die Industriezweige und Niederlassungen, welche sich auf die Endmontage großer Maschinen konzentriert haben, könnte dies von Vorteil sein. Der Transport mit dem Gigaliner soll nach Schätzungen ca. 25 % Kraftstoff sparen.

Die Kritiker

Wenn der Vorstoß so gut für die Infrastruktur ist, also für weniger volle Straßen sorgt und Energie spart, warum zeigen sich so viele Vereine und Parteien kritisch? Das Beispiel Schweden zeigt, dass es sich um eine Milchmädchenrechnung handeln könnte: Dort hat sich, seit dem ersten Riesen-LKW die Zahl der Transportfahrzeuge auf der Straße nicht minimiert, sondern vom Transport auf der Schiene und vom Wasser auf die Autobahn verlagert. Auch in den Bundesländern BW und NRW war dies ein Grund für die Verspätung: Die Rot-Grüne Landesregierung sah im Parteiprogramm eine Forcierung des Verkehrs auf Schienen und zu Wasser vor. Weiterer Punkt der Kritiker: Aufgrund der Infrastruktur, wie zum Beispiel der Traglast von Brücken, ist das Gewicht der Gigaliner in Deutschland auf 44 Tonnen beschränkt – also das Gewicht eines normalen LKW. Eine wirkliche Ersparnis ist somit nicht zu verzeichnen. Praktisch bleibt der Transport bei leichten und sehr langen Bauteilen und Transportgütern. Zu den Kritikern gehören auch Spediteure und ein Großteil der Autofahrer (siehe forsa-Umfrageergebnisse in PDF).

Testphase bis Ende 2016

In der Testphase bis 2016 soll geprüft werden, ob die Gigaliner wirklich eine bessere CO2-Bilanz vorweisen und ob die Infrastruktur Entlastungen erfährt. Die Industrie liebäugelt wohl in Zukunft mit der vollen Giga-Ladung von 60 Tonnen. Wirklich profitieren sollten davon nur große Unternehmen, die ihren Fuhrpark in anderen Ländern schon auf Maximum ausgelegt haben. Die Gesetzesänderung wird oft spöttisch als Daimler-Gesetz bezeichnet, da die bisherigen Teststrecken an Daimler Werken gelegen sind.