Max H., Junglehrer, Studienrat auf Probe und Berufspendler mit täglich 70 Kilometern einfache Strecke, verkaufte jüngst seinen Kangoo für 9.000 Euro an einen Händler nach Freiburg, weil er mit dem Zug günstige Verbindungen hat. Doch nur Stunden danach erwirbt er ziemlich spontan übers Internet einen Golf II aus Augsburg, Baujahr 1991 mit 90.000 Kilometern für 1.200 Euro; 8-fach berädert, Alu-Felgen, Garagenwagen, kein Rost, weil er im Winter nicht gefahren wurde. Die Halterin, 92, trennte sich nur auf Drängen des Sohnes von ihrem Auto.

Die Autobauer wähnten sich lange sicher, dass die Deutschen ihr Auto lieben; das Heilix-Blechle wurde mit Besitzer-Stolz gepflegt. Das aber geht jüngeren Menschen ab – mit eigenem Fahrzeug wollen immer weniger „protzen“. Da ist klar, dass in Großstädten immer wenige Junge ein eigenes Auto haben; manche nicht mal den Führerschein.

Dass das Auto als Statussymbol ausgedient haben könnte, ist den Trendforschern noch zu früh. Noch gilt Mobilität als hoch im Nutzen, auch wenn man aus Statusgründen nicht unbedingt ein Auto besitzen muss. Und auch Deutschlands „Auto-Papst“, Ferdinand Dudenhöffer kommt zu dem Schluss: „Facebook und virtuelle Welten prägen Werte von jungen Menschen – und weniger die Heldensagen von Alfa Romeo, Ferrari, Porsche oder Lamborghini.“ Als weitere Gründe für den Abwärtstrend gelten die Kosten fürs Auto, was bei einer Jugend , die als ‚preissensitiv‘ gilt, ein starkes Argument ist.

Neuer Trend: Ent-Emotionalisierung

Sagte man in den vergangenen Jahren den jüngeren Frauen viel Emotion fürs Auto zu, erkennen die Experten bereits den „Trend der Ent-Emotionalisierung“.
Für 20 bis 30 von 100 sozialwissenschaftlich ‚Jugendlichen‘, die als Single durchaus 25+ sein können, spiele das Auto keine Rolle mehr. Mehr Wert haben die eigene Wohnung, der Urlaub oder die Freizeit – kaum finanzieller Spielraum also, um sich ein Auto leisten zu können.

Jetzt also könnten Smartphones wie das iPhone von Apple zu neuen Statussymbolen werden, jedoch nur, wenn das Gerät einen Neuigkeitswert behält. Nur eine Minderheit hält am Auto als Statussymbol fest, für die meisten hat es nur noch funktionale Bedeutung. So rangiert ein Smart oder ein Opel in der Werteskala neben der Waschmaschine. Ein Porsche allerdings verliert wohl nie an demonstrativem Haben statt Sein.

Wo bleibt der Coolness-Faktor?

Junge Menschen verlangen folglich von einem Auto, dass es sich neu erfinden muss, um zeitnahen Stellenwert zu erhalten. Damit ist auch die Motorleistung kaum noch mit Lifestyle in Verbindung zu bringen. Fehlt dem Auto die „Vernetzung mit dem Coolness-Faktor“? Da dürfte viel eher noch das Elektroauto seine Chance bekommen, Emotionen wecken und dem AIDA-Werbe-Prinzip genügen: Attention, Interest, Desire und Action, also Kaufen. Ist man künftig mobil mit „Carsharing – wegen der niedrigen Kosten? Die Autobauer scheinen diesen Trend für sich und ihre Modelle erkannt zu haben. Daimler startet sein Carsharing-Angebot „Car2go“ 2011 in Hamburg; eine der Metropolen, die wie ein Dutzend andere noch drauf warten – in Europa und Nordamerika. Und auch BMW will in München Autos im Stunden-Bedarf vermarkten – nicht teuer, weil man „junge Leute mit dem Auto versöhnen“ müsse…