Wird die private Krankenversicherung auch in Zukunft fortbestehen oder ist es Zeit für einen Systemwechsel, wie ihn Grüne, SPD und Linke in Gestalt einer einheitlichen Bürgerversicherung fordern? Für den Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK) ist eines klar: Die Ärzteschaft wird sich für das duale Krankenversicherungssystem und eine Stärkung der PKV einsetzen. Gegenüber der dpa betonte Montgomery, man wolle zur rechten Zeit “vor dem Bundestagswahlkampf eine klare Duftmarke setzen.” Einige der Gründe für die Position der Ärzte nannte er am vergangenen Wochenende im Rahmen der Hauptversammlung des Marburger Bundes. Demnach könnten die gesetzlichen Krankenkassen bereits nach heutigem Stand “mit uns machen was sie wollen”, wenn es das private Versicherungssystem nicht gäbe. Das vereinheitlichende Versicherungskonzept, das von den Oppositionsparteien favorisiert wird, geht für den BÄK-Chef eindeutig in die falsche Richtung.

Ärztepräsident will Zwei-Klassen-Medizin verhindern

Nach Angaben ihres Präsidenten befürchtet die Ärzteschaft, dass mit der Einführung der Bürgerversicherung die Zwei-Klassen-Medizin im deutschen Gesundheitssystem befördert würde. Viele Versicherte hätten dann unter Einschränkungen im Leistungsumfang zu leiden, während gut verdienende Menschen eine qualitativ bessere Gesundheitsversorgung bei Bedarf einfach einkaufen könnten, so Montgomery. Um dies zu verhindern, müsse sich die private Krankenversicherung ihrem Reformbedarf stellen.

Gesetzliche Wahltarife erschweren PKV-Geschäft

Wie der erste Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, im Rahmen der Hauptversammlung seines Verbandes betonte, plädiert man ebenso wie die Bundesärztekammer für eine Fortsetzung des Wettbewerbs zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Als Referent zu der vorbenannten Veranstaltung geladen war auch Rainer Hess, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses. Nach einem Bericht der “Ärzte Zeitung” macht Hess die Probleme der PKV daran fest, dass die gesetzlichen Krankenkassen wieder Satzungsleistungen in ihr Angebot aufnehmen dürfen und damit auf dem Geschäftsfeld des Wettbewerbers aktiv werden. Er frage sich etwa, warum die Kassen mit Wahltarifen auf einem weiteren Gesundheitsmarkt aktiv werden müsse.

Gesetzliche Heilpraktiker- und OTC-Leistungen: Konkurrenz für PKV

Auch durch andere Leistungen, die von gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden können, erhält die private Krankenversicherung System übergreifend Konkurrenz. Laut dem Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Rainer Hess, zählt die Kostenübernahme der so genannten OTC-Medikamente dazu. OTC steht für “over the counter” bzw. für Präparate, die zwar nicht verschreibungs-, aber zumindest apothekenpflichtig sind. Auch Heilpraktikerbehandlungen würden von mehreren gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, konstatiert Hess. Hier sei es ganz klar angebracht, das PKV-Geschäft zu schützen.