Operation
Brauchen Patienten mehr Hilfe bei der Klärung von Ärztepfusch? © panthermedia.net / Gennadiy Poznyakov

Wie der Dachverband der betrieblichen Krankenkassen meldet, werden in der Schlichtungsstelle in Hannover jährlich über 4.000 Fälle von Behandlungsfehlern geprüft. Im Verhältnis der ansteigenden Behandlungszahlen soll die Menge der Kunstfehler nur im Promillebereich liegen. Allerdings wird in der Mitteilung darauf hingewiesen, dass sich laut Patientenschützern nur wenig Betroffene wehren. 

Gutachten entscheidet bei Behandlungsfehler-Verdacht

Immer wieder wird in den Medien über Behandlungsfehler von Ärzten berichtet. Wenn Betroffene einen Fehler in der ärztlichen Behandlung vermuten, besteht die Möglichkeit eine Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen zu kontaktieren. Hannover ist bundesweit die größte Schlichtungsstelle. An sie können sich Patienten aus zehn Bundesländern wenden. In einer Pressemitteilung des BKK Dachverbandes wird darauf verwiesen, dass die Zahl von 4.000 Betroffenen nur im Promillebereich läge. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) veröffentlichte weitere Zahlen. Demnach sollen insgesamt 14.663 Patienten im gesamten Bundesgebiet einen Verdacht bei einer der 15 Stellen des MDK gemeldet haben. Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen) spricht von einer Situation, in der keinesfalls eine Entwarnung gegeben werden kann. Die Zahl von 4.000 findet sich auch im Bericht des MDK. Angegeben als die Anzahl der Fälle, in denen tatsächlich ein Kunstfehler nachgewiesen wurde.

Dunkelziffer überwindbar?

Von den insgesamt gemeldeten Fällen ging es in 8.000 Beschwerden um operative Maßnahmen, die in einem Krankenhaus durchgeführt wurden. Das entspricht einem Drittel aller Fälle. Auch in der Pflege ist die Ziffer erschreckend. So waren von 582 Beschwerden über 50 Prozent berechtigt. Bei Zahnärzten gab es unter den gemeldeten Fällen eine bestätigte Fehlerquote von 39,2 Prozent. Patientenschützer vermuten jedoch, dass nur die wenigsten Betroffenen tatsächlich ihren Verdacht äußern. Die Dunkelziffer bleibt nur schwer einzuschätzen. Allerdings schätzen auch MDK und MDS diese als bedenklich ein. In der besagten Pressemitteilung heißt es, dass nur wenige Betroffene sich einen Erfolg von der Äußerung des Verdachts versprechen. Laut Andreas Fabris, von der unabhängigen Patientenberatung Deutschland, sei es schwer, den Medizinern einen Fehler nachzuweisen. Eine weiterer Grund, warum viele Betroffene die Meldung vermeiden, könnte die Länge eines möglichen Verfahrens sein. Dieses kann sich in bestimmten Fällen auf mehrere Jahre ausweiten.