Gas- und Wasserwerke drehen einfach den Hahn zu, wenn Kunden ihre Rechnung nicht bezahlen. Private Krankenversicherer würden ihre zahlungsunwillige Klientel zwar auch am liebsten vor die Tür setzen. Ihnen bleibt als letztes Mittel aber nur eine Kürzung der Leistung auf ein Minimum. Kosten entstehen also nach wie vor. Um sich die Bilanz dadurch nicht länger verhageln zu lassen, ziehen immer mehr PKV die Notbremse und schauen ihren Neukunden genau auf die Finger respektive die Finanzen. Wer nicht ins Schema passt, bleibt draußen.

Vorreiter ist die Hallesche Krankenversicherung. Sie prüft die Bonität der Antragsteller und fährt damit bislang sehr gut. Dieses Beispiel hat auch die private Krankenversicherung der Axa aufgegriffen und ihre Aufnahmerichtlinien grundlegend überarbeitet. Bestimmte Berufsgruppen haben jetzt gar keine Chance mehr, bei der Axa aufgenommen zu werden. In der ersten Runde fielen Erntehelfer und Saisonarbeiter, Kraftfahrzeugführer und Trockenbauer dem neuen Kurs zum Opfer. Seit Anfang dieser Woche ist der Kreis unerwünschter Kunden deutlich größer geworden. Auf der Liste stehen jetzt auch Personen aus dem Bauhilfs- und Baunebengewerbe, Bodenleger, Bauisolierer, Maler, Gastwirte, Köche, Hotelbesitzer, Kiosk- und Imbissbesitzer sowie Gebäudereiniger.

Ob diese Taktik erfolgt hat und die private Krankenversicherung der Axa noch mehr Berufe auf die rote Liste setzt, bleibt abzuwarten. Branchenweit zeichnet sich ab, dass vor allem Selbstständige und Freiberufler genauer kontrolliert werden, ehe sie in die PKV aufgenommen werden. Sie fallen besonders häufig dadurch auf, dass die Beiträge ausbleiben. Das soll durch eine verschärfte Bonitätsprüfung vermieden werden. Ohne Nachweis, dass eine 24-monatige Vorversicherung bestand und die Beiträge regelmäßig gezahlt wurden, haben Selbstständige kaum noch Chancen auf eine private Krankenversicherung.