Der Wettbewerb der privaten Krankenversicherungen wird härter. Dieses Spiel machen allerdings nicht alle Unternehmen um jeden Preis mit. Der Wuppertaler Versicherungsverein Barmenia setzt stattdessen eher auf eine „selektive Politik“, auch wenn die Zahl der Versicherten dadurch bröckelt. Im vergangenen Jahr verlor die Assekuranz 16.000 Vollversicherte und konnte 14.000 Neukunden gewinnen. Unter dem Strich ein Minus von 2.000 und nur noch 309.000 statt vormals 311.000 Kunden mit Vollversicherung.

Ein Großteil der Verluste geht zwar auf den Tod von Versicherungsnehmern zurück. Doch auch der Wechsel der PKV hat sich merklich auf die Zu- und Abgänge niedergeschlagen, wobei Kunden in dem Fall erneut eine Provision zahlen müssen. Gegen diese Umdeckungen könne nur das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) etwas unternehmen, so Barmenia-Chef Josef Beutelmann. Damit rennt er bei BaFin-Versicherungschef Thomas Steffen offene Türen ein. Er kündigte entsprechende Schritte an.

Insgesamt kann die Barmenia mit dem Jahr 2009 ganz zufrieden sein. Die Unternehmensgruppe steigerte die Prämieneinnahmen um fünf Prozent auf 1,62 Milliarden – mehr als der Marktdurchschnitt von 4,2 Prozent. Für die Krankenversicherung – Nummer acht der deutschen PKV – steht angesichts von Einnahmen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro ein Plus von 6,2 Prozent zu Buche, das sich allerdings weitgehend aus Preiserhöhungen ergibt. Der Gewinn lag bei 104 Millionen Euro (plus 18 Prozent).

Die geschäftliche Entwicklung geht einher mit vielen Veränderungen, insbesondere beim Vertrieb. 361 Versicherungsvertreter mussten alleine im vergangenen Jahr die Koffer packen. „Wir haben uns von Vertriebspartnern getrennt, die kaum Geschäft gebracht haben“, erklärte Vertriebsvorstand Andreas Aurich. In diesem Jahr soll die Zahl der Mitarbeiter wieder steigen. Sie werden sich vor allem auf Ärzte und Beamte als neue Kunden konzentrieren. Selbständige PKV-Einsteiger, die mit Billigtarifen liebäugeln und dann wieder kündigen, seien für die Barmenia nicht interessant, so Josef Beutelmann.